Die "Toren", auf die Anselm in Kapitel 2 seines Proslogion zu sprechen kommt, sind zunächst einmal diejenigen, die gemäß Psalm 14,1 "in ihrem Herzen [sagen]: Es gibt keinen Gott." Der Psalm selbst konstatiert übrigens in den folgenden Versen 2-3:
"Der Herr blickt vom Himmel herab auf die Menschen,
ob noch ein Verständiger da ist, der Gott sucht.
Alle sind sie abtrünnig und verdorben,
keiner tut Gutes, auch nicht ein einziger."
Es sind also nicht "die Ungläubigen" als spezielle Gruppe gegenüber den Gläubigen,[*] die "nach Anselms Gleichung" die "Toren" seien, sondern alle Menschen. Und das ist gleichsam der Anspruch, unter dem Anselm sein Argument formuliert:
An ergo non est aliqua talis natura,
quia "dixit insipiens in corde suo: non est deus"?
Anselm geht der Frage nach, ob solch eine natura nicht vorhanden sein könne, wenn (und weil) alle Menschen sie von Herzen verneinen.