Posts mit dem Label Glaube werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Glaube werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 14. April 2023

Besser als Fastnacht: Bacon-Cheeseburger am Freitag

Zur Feier der Osteroktav gibt es heute Bacon-Cheeseburger, und normalerweise würden damit mehrere große Speiseverbote gebrochen:

  • jüdisch: kein Milchiges in Kombination mit Fleischigem; kein Fleisch vom Schwein
  • islamisch: kein Fleisch vom Schwein
  • hinduistisch: kein Fleisch vom Rind
  • christlich: kein Fleisch am Freitag
  • jainistisch und säkular: kein Fleisch
Das Osterereignis reißt den Menschen jedoch radikal aus diesen qua Verbot normierten und damit "normalen" Zusammenhängen heraus.

Montag, 6. September 2021

Gedanken zur priesterlichen Lebensform

Ich muss ja zugeben, dass ich mich etwas am weit verbreiteten Ausdruck "Pflichtzölibat" störe: Nach momentaner kanonischer Regelung gehört die Verpflichtung zur Ehelosigkeit in der lateinischen Westkirche zum Priesteramt dazu (und in den Ostkirchen m.W. nur zum Bischofsamt), so dass man parallel zur Gebetspflicht, der Gehorsamspflicht oder der Verpflichtung zum Streben nach Heiligkeit m.M.n. besser von der Zölibatspflicht sprechen sollte.

Die Umkehr der Wortbestandteile ist dabei nicht bloß rhetorischer Zinnober, sondern sie schiebt, wie ich sagen würde, auch den Fokus der Debatte in eine andere Richtung: Anstatt sich auf die sexuelle Enthaltsamkeit einzuschießen, die mit der (i.A. doch eher unangenehm konnotierten) Vorsilbe "Pflicht-" verknüpft wird, stehen hier die Aufgaben (Pflichten) des Priesters erstmal allgemein im Vordergrund, während der einleitende Bestandteil (Zölibat, Gebet, Gehorsam, ...) deren Konkretisierung anzeigt. So lässt sich dann viel besser Fragen: Gehört die Ehelosigkeit zum inneren Gehalt des Priestertums?

Ein paar unvollendete und unsystematische Gedanken:

Samstag, 22. Juni 2019

Gott und Person-Sein

"Gott" ist in der Religionsgeschichte üblicherweise eine Chiffre für etwas Unverfügbares; für etwas höchst Erhabenes; für etwas Absolutes, das losgelöst besteht von den natürlichen Zusammenhängen, denen der Mensch unterworfen ist; für etwas "Über-natürliches" (wobei es da gewaltige, geradezu himmelweite Unterschiede gibt); oder für einen bzw. mehrere über-mächtige Akteure. Das kann im poly- und henotheistischen Kontext eine Art von Über-Mensch sein, im Pan(en)theismus umfasst es die Gesamtheit der Natur und ggf. noch ein bisschen mehr, und in der philosophischen Tradition handelt es sich um Fixpunkte, Absoluta oder letzte Notwendigkeiten im Denken.

Samstag, 21. April 2018

Fremdbestimmung und Selbstbestimmung: Kindertaufe

Dass Fremd-bestimmung vor Selbst-bestimmung stattfindet, gehört zu den ontologischen Merkmalen des Mensch-Seins. Denn noch bevor ein Mensch überhaupt das erste Mal "ich" oder "nein" sagen kann, werden bereits die grundlegenden Dinge seines Daseins von anderen bestimmt: Ob er überhaupt existiert, in welche Verhältnisse er hineingeboren wird, wie er heißt, zu welcher Familie er gehört, welches Geschlecht er hat, welchem Staat er angehört. Die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft ist ebenfalls solch ein Merkmal, und es kann positiv oder negativ bestimmt werden. Religiös unbestimmt ist kein Mensch, denn er kann auch ohne formelle Aufnahme in eine Gemeinschaft immer als Kind von atheistischen, buddhistischen, christlichen, daoistischen, esoterischen, freidenkerischen, gnostischen, hinduistischen, islamischen, jesidischen, ... you name it ... Eltern bestimmt werden. Und sofern die Eltern mit dem Kind inter-agieren, wird es auch immer durch die religiöse oder weltanschauliche Überzeugung der Eltern zumindest mit-geprägt.

Freitag, 29. Dezember 2017

Theodizee

Ich sehe keinen Widerspruch zwischen a) dem Bezug zu Leuten, die sich schon vor mir Gedanken über Fragen gemacht haben, die auch ich mir stelle, und b) einem persönlichen Statement, das ich abgebe. Ich muss ja nicht zwanghaft das Rad neu erfinden - weder in der Wissenschaft noch in der Musik noch im Glauben. Und wenn mich ein fremder Gedankengang überzeugt, dann wäre es a) unsinnig, ihn abzulehnen bloß weil er nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen ist, und b) unredlich, ihn gegenüber Dritten als meine eigene Erfindung auszugeben. Ich weiß, dass man das auch anders sehen kann: Anderen zu unterstellen, sie hätten das Potenzial, einen selbst zu überzeugen, versteht sich nicht von selbst.

Was die Theodizee angeht, bin ich nun in einer Zwickmühle zwischen dem, was ich denke, und dem, was gemeinhin von mir verlangt wird: Was ich denke, steht - genau wie die übliche theologische Fragestellung - unleugbar in der Tradition der abendländischen Geistesgeschichte vom antiken Griechenland bis heute. Verlangt wird meist hingegen eine Antwort, die diesen Bezug nicht erkennen lassen darf - im Gegensatz zur Frage selbst, die mit der Bezeichnung als Theodizee natürlich einen klaren Bezug formuliert.

Versuch einer Antwort, aufgrund der Aufgabenstellung notwendig verkürzt:

Montag, 28. November 2016

Hermeneutik des Gebets

Es erscheint notwendig, sich klarzumachen, was das Gebet bedeutet. Und das ist eben kein Münzwurf in den Wunschbrunnen, kein Reiben der magischen Hasenpfote, kein Zerstäuben von Feenstaub etc. Es geht darum, im direkten Dialog mit Gott, mit den Engeln, mit den Heiligen, eine konkrete Situation, ein konkretes Ereignis, eine konkrete Sache in den ontologischen Gesamtzusammenhang zu stellen, das Unvollkommene - um mit Boethius zu sprechen - im Licht des Vollkommenen zu betrachten. Modulationen dieser Betrachtung liegen z.B. im klagenden, im lobenden, im beschreibenden, im bittenden Ton.

Dienstag, 21. April 2015

Prima Causa und Kontingenzerfahrung

Das Irdische kann philosophisch als Kausalnexus aus sekundären Ursachen beschrieben werden - und wer darüber hinausblickt, der landet bei der prima causa. Natürlich ist das individualpsychologisch nicht notwendig: Schließlich kann man durchaus bei der Feststellung einer Torheit verharren.

Montag, 20. April 2015

Anselm und die Frage des Gottesbeweises

Die "Toren", auf die Anselm in Kapitel 2 seines Proslogion zu sprechen kommt, sind zunächst einmal diejenigen, die gemäß Psalm 14,1 "in ihrem Herzen [sagen]: Es gibt keinen Gott." Der Psalm selbst konstatiert übrigens in den folgenden Versen 2-3: 

"Der Herr blickt vom Himmel herab auf die Menschen,
ob noch ein Verständiger da ist, der Gott sucht.
Alle sind sie abtrünnig und verdorben,
keiner tut Gutes, auch nicht ein einziger.
"

Es sind also nicht "die Ungläubigen" als spezielle Gruppe gegenüber den Gläubigen,[*] die "nach Anselms Gleichung" die "Toren" seien, sondern alle Menschen. Und das ist gleichsam der Anspruch, unter dem Anselm sein Argument formuliert: 

An ergo non est aliqua talis natura,
quia "dixit insipiens in corde suo: non est deus"?

 Anselm geht der Frage nach, ob solch eine natura nicht vorhanden sein könne, wenn (und weil) alle Menschen sie von Herzen verneinen.

Dienstag, 14. April 2015

Glaube und Wissenschaft

Ohne religiösen Glauben keine Wissenschaft - das kann man so pauschal sagen, und es zeigt sich sehr schön anhand der Wissenschaftsgeschichte. Die intelligible Welt entspringt dem Glauben an eine nach-denkbare Schöpfung, die von ihrem Schöpfer vor-gedacht wurde, die fides quaerens intellectum zieht sich durch die letzten 2000 Jahre: Die empirischen Methoden verdanken wir u.a. dem Franziskaner Bacon, "Ockhams Rasiermesser" wurde gar direkt nach einem mittelalterlichen Mönch benannt, von den jesuitischen Astronomen ist meist nur negativ die Rede (wahrscheinlich weil sie Galilei im Experiment widerlegten), und mit Jean Picard (Berechnung des Erdumfangs), Francesco Grimaldi (Diffraktion des Lichtes) oder Gregor Mendel (Vererbungslehre) haben wir gar katholische Priester als Pioniere bestimmter Forschungsrichtungen, ebenso wie Georges Lemaître, der die von ihm entwickelte "Urknall-Theorie" (eigentlich ein Spottname der Verfechter der mittlerweile überholten "Steady State"-Hypothese) gar gegen Albert Einstein verteidigen musste. Und das ist mal nur eine ganz kleine Auswahl aus der katholischen Seite, von der protestantischen Tradition haben wir hierbei noch gar nicht gesprochen.

Montag, 16. Februar 2015

Zum Leben nach dem Tod

Als Christ trage ich natürlich die religiöse Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod in mir, und sie fußt zunächst auf dem Zeugnis, das die Kirche in und mit ihrer (schriftlich und mündlich tradierten) Überlieferung bewahrt und verkündet. Da ich allerdings keinem zumuten kann (und möchte), eine wie auch immer begründete Hoffnung aus Glaubensquellen nachzuvollziehen, wähle ich einen alternativen Weg.

Die Antwort auf die Frage nach einem (hypothetischen) Leben nach dem Tod wirft natürlich erstmal die Frage nach einem Leben vor dem Tod auf. Mein Punkt - unabhängig von Glaubensquellen - wäre dabei derjenige, dass das Leben vor dem Tod in seiner Essenz Er-innerung ist. Um es in drei Dimensionen kurz herunterzubrechen:

Donnerstag, 15. Januar 2015

Liebe und Dogma

Um mehr als Liebe geht es in der Tat nicht - aber auch nicht um weniger. Und das ist der Knackpunkt. Wenn Jesus in der Bergpredigt "zur Liebe anregt", dann stellt sich natürlich die Frage, was das heißt: Was ist denn "Liebe"? Der 1. Johannes-Brief verrät: "Gott ist die Liebe" (1 Jo 4,16b). Liebe ist also nicht nur ein Gefühl, eine Emotion, die kommt und geht. Wenn Jesus seine Jünger zur Liebe aufruft, dann ruft er sie zu Gott, zur vollkommenen Liebe. Oder mit den Worten des Evangelisten Matthäus: "Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist" (Mt 5,48). Das wiederum zitiert natürlich Levitikus 19,2: "Seid heilig, denn ich der Herr, euer Gott, bin heilig" - in der jüdischen Tradition gehen Heiligkeit und Vollkommenheit ineinander über. Das ist durchaus ein gewaltiger Anspruch, vor dem man dann und wann verzweifeln mag. Jer 31,33 gibt dabei insofern Hoffnung, als das Gelingen dieses Anspruches verheißen wird: Gott selbst schreibt das Gesetz seinem Volk ins Herz - das Befolgen dieses Aufrufs wird nicht nur ein äußerlicher Akt sein, eine Eigenschaft unter vielen, ganz im Gegenteil wird es ein Wesensmerkmal seines Volkes werden, das so in die Vollkommenheit eintritt.

Sonntag, 14. September 2014

Kreuz, Auferstehung und Historiographie

Gegen die Theorie, Jesus sei gar nicht gestorben, sondern nur betäubt gewesen, spricht die römische Kreuzigungspraxis: Ein Soldat, der es zulässt, dass ein verurteilter Rebell, ein Staatsfeind, der Hinrichtung entgeht, macht sich des Hochverrats schuldig. Man kann nach allem, was man so historisch herausgefunden hat, davon ausgehen, dass ein Hingerichteter auch wirklich tot war, wenn die Römer ihn hingerichtet haben. Gerade auch dann, wenn es sich um die brutalste Hinrichtungsmethode im Arsenal handelte. Wer das im Falle Jesu bezweifelt, muss mindestens erklären, welches Motiv die beteiligte römische Soldateska gehabt haben soll, gerade diesen Staatsfeind am Leben zu lassen.

Normalerweise kommt darauf der logische Einwand, dass er dann halt nicht gekreuzigt wurde: Keine Kreuzigung, kein Hochverrat der Soldateska. Das zieht allerdings wiederum die Frage nach sich, warum er dann nicht von den Juden als Messias anerkannt wurde (und wird): Schließlich war es das Ausschlusskriterium für einen Messiasprätendenten, wenn er von den Feinden Israels besiegt und/oder getötet wurde. Bar Kochba beispielsweise wurde von den eigenen Leuten umgebracht, als klar war, dass die Römer siegen würden. Ohne Kreuzigung kein Sieg der Feinde Israels, und das heißt, dass dieser Jesus wohl der Messias sein kann. Warum anerkennen bzw. anerkannten das die Juden der Zeitenwende nicht? Warum haben sie lieber behauptet, dass die Jünger dieses Prätendenten den Leichnam geklaut und versteckt hätten? Und warum haben die Zeitgenossen des Paulus es nicht ausgeschlachtet, dass der niemals gekreuzigte Jesus so gar nicht zu dem Christus passt, den er verkündet ? Da stehen wir jetzt vor der Entscheidung: Wollen wir vernünftig darüber reden, also handfeste Argumente betrachten? Oder wollen wir lediglich Vermutungen anstellen?

Mittwoch, 13. August 2014

Kain, Abel und Rousseau

Dass sich in der Geschichte um Kain und Abel ein Konflikt in der frühen Kulturgeschichte widerspiegelt, mag richtig sein: hier der Nomade mit seiner Herde, dort der Sesshafte mit seinen Feldern. In der Logik der biblischen Erzählung dürfte es zudem nicht unerheblich sein, dass Abel - der vom Herrn angeschaut wird - "eines von den Erstlingen aus der Herde und von ihrem Fett" (Gen 4,4) darbringt: Er opfert Tierisches, ganz in Einklang damit, dass der Herr Adam und Eva mit Fellen ausstattet, ehe sie aus dem Paradies scheiden, und in direkter Entsprechung zum späteren Opfer im Jerusalemer Tempel. Kain hingegen bringt dem Herrn "ein Opfer von den Früchten des Feldes" (Gen 4,3). Hier mag wohl allerlei Naturreligion mitschwingen und damit auch auf einen ersten Glaubens- oder Religionskonflikt in der menschlichen Kulturgeschichte hindeuten: Einerseits das Opfer animalisch-aktiver Gaben, andererseits das Opfer vegetativ-reaktiver Gaben. Es ist dies auf die Spitze getrieben der (bis heute noch zu beobachtende) Konflikt zwischen "mythischer" und "wissenschaftlicher" Weltauffassung: Die anima der lebendigen Wesen ist zunächst einmal nur ein gedankliches Hilfsmittel, welches das Sichtbare mit Unsichtbarem erklärt, und damit den wahrgenommenen Gegenstand von einem davon unterscheidbaren und eigenständigen Begriff trennt.

Samstag, 26. Juli 2014

Der Buddha liebt nicht

Der Adept fragte den Meister: Was ist Buddha?
Der Meister antwortete: Buddha ist ein Sack voll Kehricht. Wenn du den Buddha auf der Straße triffst, töte ihn.
Es mag böse klingen, doch es ist sicherlich nicht so gemeint. Im Gegenteil, es illustriert das Loslassen, die Loslösung. Nicht der Buddha, nicht der Sack voll Kehricht, ist es, was dich loslöst; du machst es selbst. Sei ein Sack voll Kehricht! Füge dich ein in deine wahre Natur! Sei dir deiner selbst gewahr!

Das ist das Problem, das ich sehe.

Die quälende Fage: Mache ich mir mein Problem selbst? Eine Antwort setzt natürlich voraus, dass bekannt ist, worin mein Problem eigentlich besteht.

Mittwoch, 23. April 2014

Ordo Missae

Nach der Feier des österlichen Triduum in der außerordentlichen - "tridentinischen", "lateinischen" -  Form eine zentrale Beobachtung:

Karfreitagsliturgie, Fürbitten.
Ordentliche Form: "Beuget die Knie".
Außerordentliche Form: fleccamus genua - "beugen wir die Knie".

Gemeinhin wird an der Liturgiereform mit ihrem Volksaltar und Pipapo kritisiert, dass versus populum zelebriert wird - und damit auch das Volk quasi angebetet werde. Das stimmt nicht: Es geht um die Rolle des Priesters.

Mittwoch, 16. April 2014

Zur katholischen Sexualmoral

Das "Gedankengut der katholischen Kirche wie sie früher war" und dem viele "schon einen Teil der Verantwortung" geben würden, ging ziemlich lange von der Annahme aus, dass das Zeugen eines Kindes nur dann funktioniert, wenn die Frau zum Höhepunkt kommt. Ergo: Der weibliche Orgasmus war Pflicht beim Sex. Es war insofern eher so, dass es zum Schämen war, wenn man keinen tollen Sex hatte. Denn da hatte man als Mann - der damaligen Auffassung gemäß - die Frau nicht befriedigt, ergo nicht gezeugt und damit nur zum eigenen Vergnügen gepimpert.

Dienstag, 13. August 2013

Die Gotteshypothese

Nach einigem Überlegen kann und muss ich sagen: Auch ich verwerfe die Gotteshypothese. 

Bitte sacken lassen.

Es gibt da einen schönen Cartoon, der sich wunderbar als Aufhänger für eine Begründung eignet; ich vermute mal, er ist hinlänglich bekannt.

Sonntag, 11. August 2013

Moral ist ein menschengemachtes Konzept

Moral ist ein Produkt des Essens der Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Der Mensch hat sich diese Frucht genommen, um seine eigenwilligen Ziele zu verfolgen, und wurde deswegen aus dem Paradies vertrieben.
Vor dem Essen der Frucht lebte der Mensch nicht in Unkenntnis, denn er wusste, dass das Essen der Frucht verboten war. Man mag durchaus stichhaltig ins Feld führen, dass der Mensch nicht wissen konnte, ob das Essen der Frucht intrinsisch gut oder böse war. Der Mensch kannte jedoch definitiv die Konsequenzen des Essens der Frucht: "sobald du davon isst, wirst du sterben" (Gen 2,17 - Anm.: Soviel zum Funktionieren konsequentialistischer Ansätze). Hätte der Mensch keinerlei Kenntnis gehabt, so hätte es für die Schlange keinerlei Notwendigkeit gegeben, den Menschen zu überreden.

Freitag, 12. April 2013

Der biblische Skeptiker

In seiner Predigt zur Possess der Laterankirche am 7. April 2013 kam Papst Franziskus auf den "ungläubigen" Thomas zu sprechen:

Im heutigen Evangelium macht der Apostel Thomas eigens die Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes, die ein konkretes Gesicht hat, das Gesicht Jesu, des auferstandenen Jesus. Thomas traut nicht dem, was die anderen Apostel ihm sagen: "Wir haben den Herrn gesehen"; es genügt ihm nicht die Verheißung Jesu, der angekündigt hatte: Am dritten Tag werde ich auferstehen. Er will sehen, will seine Finger in die Male der Nägel und seine Hand in Jesu Seite legen. Und was ist die Reaktion Jesu? Geduld: Jesus lässt den eigensinnigen Thomas in seiner Ungläubigkeit nicht fallen; er gibt ihm eine Woche Zeit, verschließt nicht die Tür, sondern wartet. Und Thomas erkennt seine Armseligkeit, seine Kleingläubigkeit. "Mein Herr und mein Gott": Mit diesem einfachen, doch glaubensvollen Ruf antwortet er auf die Geduld Jesu. Er lässt sich von der göttlichen Barmherzigkeit umfangen, sieht sie vor sich in den Wunden der Hände und der Füße, in der geöffneten Seite, und gewinnt das Vertrauen zurück: Er ist ein neuer Mensch, nicht mehr ungläubig, sondern gläubig.

Thomas ist also gerade kein Skeptiker, sondern er glaubt. Seine Verfehlung besteht darin, dass er seinen Brüdern im Apostelkreis nicht glaubt, denn vom Herrn selbst akzeptiert er schließlich das Zeugnis.

Freitag, 29. Juni 2012

Zur Hölle

Das Konzept einer Hölle hängt einerseits direkt von Gott, andererseits auch direkt von der menschlichen Freiheit ab. Sie ist, nach christlichem Verständnis, nur deshalb gegeben oder überhaupt denk-bar, weil es die Möglichkeit gibt, sich für oder gegen Gott zu entscheiden. "Hölle" ist also der Zustand der Gott-Ferne, das Abwesend-Sein der Liebe (die nach christlichem Verständnis Gott selbst ist) - das Getrennt-Sein vom Du. Das kann - anders: das ist schmerzvoll, es ist qualvoll, und die Beschreibung als Feuer halte ich dabei für durchaus angemessen.

Das Konzept der Hölle ist damit nicht bloß "geistige Erfindung" oder "Phantasieprodukt", sofern man grundsätzlich die Konzepte "menschliche Freiheit" und "Liebe" mitträgt. Es handelt sich um deren logische Folge.

Ein schönes Beispiel dafür stellt Jean-Paul Sartres Theaterstück "Geschlossene Gesellschaft" dar. Sartre dürfte nicht unter dem Verdacht stehen, christliche Propaganda zu verbreiten, und schildert in diesem Stück dennoch eine Hölle, in der sich ihre Insassen aus freien Stücken für das Getrennt-Sein vom Du entscheiden. "Die Hölle, das sind die anderen", ist der berühmte Satz aus diesem Einakter. Und das stimmt, weil sich keine der dort handelnden Personen wirklich auf den oder die anderen Personen einlassen will und daher immer wieder mit der eigenen Unzulänglichkeit konfrontiert wird. Diese eigene Unzulänglichkeit ist wiederum das Bewusstsein, dass man selbst keine Monade ist, oder anders: dass man sich niemals selbst genügen kann.

Zusammengefasst: Die Hölle ist das Alleine-Sein.