Sonntag, 14. Dezember 2014

Vollkommenheit, Bewusstsein und Dreifaltigkeit

  • Wenn Gott Vollkommenheit ist, 
  • und wenn Gott Bewusstsein ist, 
  • dann folgt daraus das drei-eine Personsein Gottes logisch und vernünftig.

Die Vollkommenheit ergibt sich aus dem Argument aus der Kontingenz bzw. noch deutlicher aus dessen kinesiologischer Formulierung (unbewegter Beweger): Als reine Wirklichkeit ist Gott das vollständige Wirklich-Sein jeglicher Möglichkeit. Das heißt: Sein Dasein ist Vollkommenheit, Vollendung, Abgeschlossenheit, "Zu-Ende-Gebrachtheit".

Das Bewusstsein ergibt sich (neben dem grammatischen Argument Robert Spaemanns) aus der (onto-)logischen Abhängigkeit des Kontingenten vom Nicht-Kontingenten und der damit zusammenhängenden Abhängigkeit des Unvollkommenen vom Vollkommenen: Unvollkommenheit kann nicht in der Vollkommenheit vorhanden sein, sondern sie kann überhaupt nur dann, dadurch und deswegen existieren, dass und wenn die Vollkommenheit ihr Raum (und Zeit) gibt. Dazu ist es logisch notwendig, dass die Vollkommenheit sich selbst zurücknimmt. Eben dieses "Sich-Selbst-Zurücknehmen" ist der wesentliche Kern von Bewusstsein. Denn: Bewusstsein bedeutet Erkenntnis darüber, dass man ist (existenzielle Erkenntnis), sowie darüber, was man nicht ist (essentielle Erkenntnis).

Sonntag, 23. November 2014

Satchidananda

Die indische Tradition kennt satchidananda - "Sein" (sat), "Bewusstsein" (chit), "Glückseligkeit" (ananda). Im islamischen Denken ist dieser Gedanke als Einheit aus wujud (Sein), wijdan (Bewusstsein) und wajd (Glückseligkeit) bekannt. Gegor von Nyssa sprach von Gott als dem ewigen Akt, in dem sich das unendliche Sein als das unendliche Gute selbst erkennt und damit alles in sich selbst will und erhält.

Das sollte man vielleicht zur Klarstellung erwähnen, damit auch jeder begreift, wovon Gläubige sprechen, wenn sie "Gott" meinen. Wer hier mit dem Verweis auf Fabelwesen ankommt, der redet schlichtweg am Gegenstand vorbei.

Montag, 6. Oktober 2014

Was heißt Aufklärung?

Phänomenologisch.-- "Aufklärung ist ein Phänomen, das den Logos vom Mythos scheidet und sich dem Logos verschreibt." Demnach beschränkt sich Aufklärung nicht nur auf eine bestimmte Epoche, sondern kann bis in die überlieferte Antike hinein beobachtet werden. Das institutionalisierte Christentum wäre hierbei institutionalisierte Aufklärung, da im Christentum der Logos den Primat gegenüber dem Mythos besitzt.

Soteriologisch.-- "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit." Demnach zeichnet sich Aufklärung durch einen dezidiert erlösenden Charakter aus. Das Kreuz wäre damit dem Wesen nach die höchste denkbare (Form der) Aufklärung, da im Kreuz die selbst verschuldete Unmündigkeit des Menschen gegenüber dem Absoluten ihr Ende findet. Insofern das gelebte Christentum unter dem Kreuz steht, wäre es der Hort der Aufklärung schlechthin.

Ideologisch.-- "Aufklärung ist Rückbesinnung auf die Antike." Demnach ist Aufklärung der Bezug zu Ideen, die im Gegensatz zum als dunkel verbrämten Mittelalter stehend begriffen werden. So verstanden wäre gerade die römische Papstkirche ein Hort der Aufklärung. Denn im Gegensatz zu all den Herrschaften und Herrschaftsräumen, die im frühen, hohen und späten Mittelalter gerade in Europa entstanden sind, kann man der Papstkirche nicht den Vorwurf machen, sie sei zu weit vom antik-römischen Erbe fortgeschritten (der Vorwurf des dunklen Mittelalters ist essentiell vorgeworfener Fortschritt). Schließlich lebt hier rituell, gerade in den liturgischen Gewändern, und ideologisch der antike Kaiserhof fort (man denke an den Anspruch, den bspw. die "Konstantinische Schenkung" formuliert). Ganz zu schweigen davon, dass es durchweg auch außerhalb der Kirchenstruktur eine Antikenbegeisterung gab (siehe z.B. die "Renovatio Senatūs" im Rom zur Zeit Friedrich Barbarossas).

Chronologisch.-- "Aufklärung ist die Epoche im 17. und 18. Jahrhundert der europäischen Geistesgeschichte." Demnach ist die Zeit zwischen dem zweiten und dem 17. Jahrhundert definitionsgemäß kein Hort der Aufklärung. Andererseits handelt es sich bei diesem Zeitraum nicht automatisch um "1500 Jahre gelebtes Christentum". Von dieser Grundlage aus zu debattieren, wäre nun schlichtweg tautologisch: Die Zeit vor dem 17./18. Jahrhundert liegt vor dem 17./18. Jahrhundert.

Politologisch.-- "Aufklärung ist, wenn ein Gemeinwesen nicht durch das Übernatürliche legitimiert wird." Demnach ist ein Staat dann nicht aufgeklärt, wenn ein Monarch von Gottes Gnaden an der Spitze steht. So gesehen gab es vom Frankenkönig Chlodwig I. bzw. dessen Taufe irgendwann zwischen 497 und 507 bis zum Zusammenbruch der Hohenzollern- und Habsburger-Monarchie(n) 1918 keinen aufgeklärten Staat in Mitteleuropa-Deutschland, sondern in der Tat "1500 Jahre (zumindest staatlich) gelebtes Christentum". Aber auch hier ist die Diskussionsgrundlage tautologisch: Vor dem Zusammenbruch der Monarchie von Gottes Gnaden gab es die Monarchie von Gottes Gnaden. (Und England wäre z.B. noch heute kein aufgeklärtes Land.)

Soziologisch.-- "Aufklärung ist, wenn soziales Handeln nicht vom Übernatürlichen bestimmt wird." Demnach ist soziales Handeln, das von übernatürlichen Grundlagen zehrt, nicht aufgeklärt. Das praktische Umsetzen des doppelten Liebesgebotes z.B. wäre damit unaufgeklärt, ebenso das Befolgen der zehn Gebote oder der goldenen Regel. Inwieweit man von "1500 Jahre gelebtem Christentum" sprechen kann, könnte dabei anhand der Umsetzung z.B. dieser Handlungsmaximen geprüft werden.

Technologisch.-- "Aufklärung ist der Fortschritt, den ein aufgeklärtes Gemeinwesen produziert." Demnach ließe sich Aufklärung am politischen, sozialen, ökonomischen und/oder technischen Fortschritt messen, der seit dem Beginn der europäischen Moderne, spätestens seit dem 20. Jahrhundert gemacht wurde. Die Diskussionsgrundlage wäre hier allerdings auch tautologisch: Die Vormoderne war vormodern.

Diese Liste ist natürlich nicht vollständig und Hinzufügungen und Kritik sind sehr willkommen.

Sonntag, 14. September 2014

Kreuz, Auferstehung und Historiographie

Gegen die Theorie, Jesus sei gar nicht gestorben, sondern nur betäubt gewesen, spricht die römische Kreuzigungspraxis: Ein Soldat, der es zulässt, dass ein verurteilter Rebell, ein Staatsfeind, der Hinrichtung entgeht, macht sich des Hochverrats schuldig. Man kann nach allem, was man so historisch herausgefunden hat, davon ausgehen, dass ein Hingerichteter auch wirklich tot war, wenn die Römer ihn hingerichtet haben. Gerade auch dann, wenn es sich um die brutalste Hinrichtungsmethode im Arsenal handelte. Wer das im Falle Jesu bezweifelt, muss mindestens erklären, welches Motiv die beteiligte römische Soldateska gehabt haben soll, gerade diesen Staatsfeind am Leben zu lassen.

Normalerweise kommt darauf der logische Einwand, dass er dann halt nicht gekreuzigt wurde: Keine Kreuzigung, kein Hochverrat der Soldateska. Das zieht allerdings wiederum die Frage nach sich, warum er dann nicht von den Juden als Messias anerkannt wurde (und wird): Schließlich war es das Ausschlusskriterium für einen Messiasprätendenten, wenn er von den Feinden Israels besiegt und/oder getötet wurde. Bar Kochba beispielsweise wurde von den eigenen Leuten umgebracht, als klar war, dass die Römer siegen würden. Ohne Kreuzigung kein Sieg der Feinde Israels, und das heißt, dass dieser Jesus wohl der Messias sein kann. Warum anerkennen bzw. anerkannten das die Juden der Zeitenwende nicht? Warum haben sie lieber behauptet, dass die Jünger dieses Prätendenten den Leichnam geklaut und versteckt hätten? Und warum haben die Zeitgenossen des Paulus es nicht ausgeschlachtet, dass der niemals gekreuzigte Jesus so gar nicht zu dem Christus passt, den er verkündet ? Da stehen wir jetzt vor der Entscheidung: Wollen wir vernünftig darüber reden, also handfeste Argumente betrachten? Oder wollen wir lediglich Vermutungen anstellen?

Donnerstag, 4. September 2014

Jesus mit Humboldt verstehen

In Jesus können wir die mechanischen, physiologischen und psychologischen Kräfte wirken sehen.

Soll heißen: In Jesus finden wir ganz grundlegend die physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse, die man im Menschen physikalisch, chemisch und biologisch erforschen und nachvollziehen kann; und das sind ebenjene mechanischen und physiologischen Kräfte, von denen Humboldt in seiner Abhandlung "Über die Aufgabe des Geschichtsschreibers" spricht. Jesus aß, er trank, er hatte Stoffwechsel, ging zur Toilette, seine Haare und Fingernägel wuchsen, er blutete bei entsprechender Verletzung, usw. In Jesus finden wir auch all diejenigen geistigen, denkerischen, "seelischen", eben psychologischen Prozesse, die sich geistes-, sozial- oder kulturwissenschaftlich erforschen und nachvollziehen lassen. Er hatte Bedürfnisse, wollte essen und trinken, traf Entscheidungen, hatte Angst, hat sich gefreut, war wütend, hat willentlich und wissentlich mit anderen Menschen interagiert, geredet und gepredigt, diskutiert und verkündet usw.

Diese mechanischen, physiologischen und psychologischen Kräfte sind jedoch für sich genommen nicht befriedigend, sie können für sich genommen nichts erklären und wir können sie für sich genommen nicht begreifen. Es nutzt uns in Bezug auf Jesus nichts, wenn wir wissen, dass er aß und trank, es nutzt uns auch nichts, wenn wir wissen, wie oft er aufs Klo ging oder wie schnell seine Haare im Monat gewachsen sind.

Was wir, v.a. wenn wir es mit anderen Menschen zu tun haben, wissen wollen, ist ein gewisses "Warum":

Sonntag, 31. August 2014

Libertärer Ikonoklasmus: Hans-Hermann Hoppe

Hans-Hermann Hoppe präsentiert in seinem Werk "Demokratie. Der Gott, der keiner ist" drei Probleme: ein logisches, ein physisches und ein ethisches, wenn man es mal anhand der drei klassischen Bereiche der Philosophie formuliert.

Samstag, 30. August 2014

Zum "Deus est" in den Wissenschaften

Gerade "wissenschaftliches Streben" bedarf eines Anfangs im Denken, und jedwede wissenschaftliche Untersuchung muss gewisse Dinge schlichtweg voraussetzen. Darum muss jeder Wissenschaftler - ob er nun will oder nicht - an einem gewissen Punkt immer sagen: Deus est, denn irgendwo braucht seine Methode einen un-bedingten Ausgangspunkt. Gäbe es ihn nicht, könnte er die Methode nicht anwenden. Ob dieser unbedingte Ausganspunkt im wissenschaftlichen Denken nun deckungsgleich ist oder dasselbe meint wie der unbedingte Ausgangspunkt, den das Christentum (oder das Judentum oder der Islam oder eine andere Religion) für die gesamte Welt behauptet, ist damit freilich nicht gesagt. Doch strukturelle Gemeinsamkeiten gibt es durchaus.

Freitag, 22. August 2014

Zu Hayden White und dem Verständnis der Schrift

Klar: Wenn man von vorn herein (den/einen) "Gott" ausschließt, dann kommt er nicht in der Bibel vor. Dann muss man freilich anderweitige Erklärungen und Begründungen finden - und in der Regel findet man sie auch. Ob das zugehörige Narrativ in sich stimmig ist ... das bliebe freilich zu diskutieren.

"Die Bibel sollte als das angesehen werden, was sie ist: eine von vielen Schriften der Menschheit."

Katholischerseits kann dem voll und ganz zugestimmt werden. Problematisch wird es in der weltanschaulich-philosophischen Diskussion erst dann, wenn man verlangt, die Bibel ausschließlich so anzusehen. Aber das wird sonst eigentlich von keinem Text verlangt: Jeder Text, den man konkret betrachtet, über den man sich speziell austauscht, wird aus den "vielen Schriften der Menschheit" herausgehoben - und die Gründe dafür mögen vielschichtig sein und von Text zu Text variieren, wie auch von den vorausgehenden Werturteilen des jeweiligen Diskutanten abhängen.

Mittwoch, 13. August 2014

Kain, Abel und Rousseau

Dass sich in der Geschichte um Kain und Abel ein Konflikt in der frühen Kulturgeschichte widerspiegelt, mag richtig sein: hier der Nomade mit seiner Herde, dort der Sesshafte mit seinen Feldern. In der Logik der biblischen Erzählung dürfte es zudem nicht unerheblich sein, dass Abel - der vom Herrn angeschaut wird - "eines von den Erstlingen aus der Herde und von ihrem Fett" (Gen 4,4) darbringt: Er opfert Tierisches, ganz in Einklang damit, dass der Herr Adam und Eva mit Fellen ausstattet, ehe sie aus dem Paradies scheiden, und in direkter Entsprechung zum späteren Opfer im Jerusalemer Tempel. Kain hingegen bringt dem Herrn "ein Opfer von den Früchten des Feldes" (Gen 4,3). Hier mag wohl allerlei Naturreligion mitschwingen und damit auch auf einen ersten Glaubens- oder Religionskonflikt in der menschlichen Kulturgeschichte hindeuten: Einerseits das Opfer animalisch-aktiver Gaben, andererseits das Opfer vegetativ-reaktiver Gaben. Es ist dies auf die Spitze getrieben der (bis heute noch zu beobachtende) Konflikt zwischen "mythischer" und "wissenschaftlicher" Weltauffassung: Die anima der lebendigen Wesen ist zunächst einmal nur ein gedankliches Hilfsmittel, welches das Sichtbare mit Unsichtbarem erklärt, und damit den wahrgenommenen Gegenstand von einem davon unterscheidbaren und eigenständigen Begriff trennt.

Freitag, 1. August 2014

Was ist Theologie?

When you've seen beyond yourself then you may find
Peace of mind is waiting there
And the time will come when you see we're all one
And life flows on within you and without you ...

... heißt es in George Harrisons Lied "Within you without" von der Beatles-LP "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band". Das Einheitsmotiv ist virulent in vielen Weltanschauungen, Ideologien, Religionen, Philosophien, ebenso wie der Blick beyond yourself, jenseits des eigenen Ichs, jenseits der eigenen Individualität.

Samstag, 26. Juli 2014

Der Buddha liebt nicht

Der Adept fragte den Meister: Was ist Buddha?
Der Meister antwortete: Buddha ist ein Sack voll Kehricht. Wenn du den Buddha auf der Straße triffst, töte ihn.
Es mag böse klingen, doch es ist sicherlich nicht so gemeint. Im Gegenteil, es illustriert das Loslassen, die Loslösung. Nicht der Buddha, nicht der Sack voll Kehricht, ist es, was dich loslöst; du machst es selbst. Sei ein Sack voll Kehricht! Füge dich ein in deine wahre Natur! Sei dir deiner selbst gewahr!

Das ist das Problem, das ich sehe.

Die quälende Fage: Mache ich mir mein Problem selbst? Eine Antwort setzt natürlich voraus, dass bekannt ist, worin mein Problem eigentlich besteht.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Zur Esoterik und dem Argument "ad antiquitatem"

Gerade dem eigenen Anspruch nach beziehen sich Esoteriker oft auf uralte Traditionen, die weiter zurückreichen als die kirchliche. Das Argument ad antiquitatem wird gerne bemüht: Jahrtausendealte chinesische Geheimtraditionen, altägyptische Überlieferungen, und gerade auch das sagenhafte Atlantis gehören hier hinein, soll letzteres doch der Legende nach etwa 9.000 bis 10.000 v. Chr. untergegangen sein.

Dienstag, 8. Juli 2014

Zur Theorie der Evolution

Das grundlegende Problem in der Debatte um die Evolution besteht nicht so sehr im Gegenüber von Schöpfung und Evolution - geschweige denn im ständig beschworenen angeblichen Kampf zwischen "Glaube und Wissenschaft" -, sondern viel mehr in der Frage, wie und in welchem Licht die Welt betrachtet wird.

Wenn die Welt kontingent, oder mehr noch: ihrem Wesen nach Kontingenz ist, so ändert sie sich, weil es ihrem Wesen entspricht. Unter dieser Voraussetzung kann der Wandel, kann Veränderung in der Welt aus den Dingen der Welt, also aus dem, was zur Welt gehört, selbst erklärt und beschrieben werden; es bedarf hier keiner äußeren Ursache oder eines Ursprungs, der außerhalb der Welt läge. Wenn die Welt Kontingenz ist, dann stellt der Naturalismus eine, wenn nicht sogar die einzig adäquate Methode bereit, ihre inneren Abläufe zu beschreiben. Eine Weltanschauung, sei sie nun philosophischen, theologischen oder religiösen Ursprungs, die die Welt als Kontingenz betrachtet, kommt daher um den Naturalismus nicht umhin. Andererseits gilt auch: Insofern Wissenschaft den Naturalismus verficht, muss sie sich der Frage nach der Kontingenz der Welt stellen. Ist die Welt also Kontingenz?

Mittwoch, 23. April 2014

Ordo Missae

Nach der Feier des österlichen Triduum in der außerordentlichen - "tridentinischen", "lateinischen" -  Form eine zentrale Beobachtung:

Karfreitagsliturgie, Fürbitten.
Ordentliche Form: "Beuget die Knie".
Außerordentliche Form: fleccamus genua - "beugen wir die Knie".

Gemeinhin wird an der Liturgiereform mit ihrem Volksaltar und Pipapo kritisiert, dass versus populum zelebriert wird - und damit auch das Volk quasi angebetet werde. Das stimmt nicht: Es geht um die Rolle des Priesters.

Mittwoch, 16. April 2014

Zur katholischen Sexualmoral

Das "Gedankengut der katholischen Kirche wie sie früher war" und dem viele "schon einen Teil der Verantwortung" geben würden, ging ziemlich lange von der Annahme aus, dass das Zeugen eines Kindes nur dann funktioniert, wenn die Frau zum Höhepunkt kommt. Ergo: Der weibliche Orgasmus war Pflicht beim Sex. Es war insofern eher so, dass es zum Schämen war, wenn man keinen tollen Sex hatte. Denn da hatte man als Mann - der damaligen Auffassung gemäß - die Frau nicht befriedigt, ergo nicht gezeugt und damit nur zum eigenen Vergnügen gepimpert.

Mittwoch, 9. April 2014

Stichwort "Sterbehilfe"

Menschliches Leben ist schützenswert, weil es durch die personale Würde geadelt ist. Daher ist die Entscheidung über Leben und Tod dem menschlichen Ermessen entzogen.

Wer ein Recht auf den Tod verficht - und damit für die sog. "Sterbehilfe" eintritt -, der entzieht dem menschlichen Leben auf die eine oder andere Weise jene personale Würde. Anders kann das Leben nicht verfügbar werden.

Dienstag, 8. April 2014

Ungarn? Ungern.

Warum der ungarischen Regierung mit tiefem Misstrauen begegnet werden sollte:

Die Rückkehr zur Stephanskrone.-- Dieser Bezug ist Ausdruck einer magyarischen Herrenvolkideologie, die bereits im späten Habsburgerreich virulent war (der Habsburger wurde entthront und durch einen "Reichsverweser" ersetzt) und das ungarische Volk nicht nur als Einheit unter der Krone sah/sieht, sondern auch über den anderen Völkern (des alten Habsburgerverbands). Es handelt sich hierbei um einen Traditionalismus, ergo Modernismus. Besonders interessant: Die Krone ist päpstliche Stiftung (daher der Titel "Apostolischer König", den der Ungar tragen durfte), Ungarn als Land deshalb päpstliches Beneficium. Die Krone ist kein Ausdruck von Volkssouveränität und kann folglich auch nicht vom Volk (oder einer vom Volk gewählten ungarischen Regierung) für sich reklamiert werden.

Die Definition der Ehe als Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau in der neuen Verfassung.-- Der Staat hat kein Recht und keine Kompetenz zu sagen, was die Ehe ist und was nicht. Das ist Aufgabe der Kirche als Verwalterin der Sakramente. Der Staat kann lediglich geschlossene Ehen anerkennen sowie privatrechtliche Verträge sanktionieren, die eheähnliche Gütergemeinschaften konstituieren. Diese Übernahme kirchlicher Kompetenz durch den Staat ist ein Modernismus, der sich - in diesem konkreten Fall - als Traditionalismus präsentiert.

Die Zweidrittelmehrheit im Parlament.-- Alleine schon diese gewaltige demokratische Mehrheit muss massive Skepsis hervorrufen (bei Papst Franziskus reicht ja weitaus weniger Zuspruch für weitaus mehr Missfallen; und Angela Merkel hat die absolute Mehrheit nur knapp verpasst ohne dass ihre Politik dadurch Begeisterungsstürme auslösen würde) - da muss ein Haken sein, das kann nicht kosher sein, wenn fast alle es gut finden. Es muss gefragt werden: Warum kann Orban die tumbe Masse für sich begeistern? Und warum sollte gerade das ungarische Volk so vertrauenswürdig in seinem Votum sein? Gerade bei letzterer Frage besteht schließlich die Gefahr, in eine völkische Argumentation zu schlittern und sich der schon erwähnten magyarischen Herrenvolkideologie anzuschließen, demnach die Ungarn halt wissen, was das beste für alle ist. Wo hier gegenüber der demokratischen Mehrheit die Skepsis beiseitegeschoben wird, folgt man ganz offen dem Modernismus des Demokratismus.

Politische Ethik ist kein quid pro quo, kein Kuhhandel: Nur weil ein Akteur einem möglichen eigenen Modernismus nahekommt, rechtfertigt das keinen anderen Modernismus. Das ist letztlich dieselbe Masche, die den (vermeintlichen) Konservatismus gegenüber dem Nationalsozialismus geöffnet hat. Das Mutterkreuz rechtfertigt jedoch nicht das Hakenkreuz, ebensowenig wie Obamas Politik Begeisterung verdient hat, weil er Osama zur Strecke gebracht hat.

Montag, 31. März 2014

Kulturfaschismus ist Häresie

"Natur und Geschichte sind die weitesten Begriffe, unter denen der menschliche Geist die Welt der Erscheinungen begreift."[1] Mit dieser Feststellung leitete Johann Gustav Droysen, ein Gründervater der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung, in der Mitte des 19. Jahrhunderts seine Vorlesung über die Methodik seiner Disziplin ein. Natur und Geschichte - es sind dies zwei Begriffe, die bis zum heutigen Tage ein Paar bilden, wenngleich in etwas anderer Nuancierung als zu den Zeiten des preußischen Historikers: Waren beide Begriffe für Droysen dadurch verbunden, dass die Natur das Nebeneinander des Seienden, die Geschichte das Nacheinander des Gewordenen umfasse, so liegt der Fokus in der heutigen Zeit eher auf dem Gegensatz, der durch das Begriffspaar Natur-Kultur ausgedrückt wird: Die Natur umfasse all das, was nicht vom Menschen stammt, während die Kultur jene Sphäre der Erscheinungen darstellt, die der Mensch hervorgebracht hat, hervorbringt und hervorbringen wird. Auch dies findet sich bei Droysen - und mit ihm auch bei allen nachfolgenden Denkern, die eine Differenzierung zwischen Naturwissenschaften einerseits und Geistes-, Sozial- oder Kulturwissenschaften andererseits vollziehen.