Sonntag, 31. August 2014

Libertärer Ikonoklasmus: Hans-Hermann Hoppe

Hans-Hermann Hoppe präsentiert in seinem Werk "Demokratie. Der Gott, der keiner ist" drei Probleme: ein logisches, ein physisches und ein ethisches, wenn man es mal anhand der drei klassischen Bereiche der Philosophie formuliert.



Sein logisches Problem besteht in seinem methodischen Ansatz - da ist er (als Professor!) schlichtweg wissenschaftstheoretisch nicht auf der Höhe der Zeit. Gerade seine Auslassungen über die Arbeit des Historikers rezipieren noch nicht einmal die Historik eines Johann Gustav Droysen, sondern stellen den Historiker als bloßen Faktensammler dar, wie es noch nicht einmal der reale Positivismus getan hatte. Er scheint weiters nicht zu wissen (oder schlicht zu ignorieren), dass die moderne Soziologie in Tradition von Max Weber steht, der als Vertreter der historischen Schule in den Sozialwissenschaften gegen den von ihm (Hoppe) so gehassten Positivismus (bei Hoppe: "Empirismus") auftrat. Und letztlich setzt er die Prämissen, die in den Wirtschaftswissenschaften als heuristisches Mittel verwendet werden (z.B. der homo oeconomicus), mit der Wirklichkeit gleich - Hoppe ist naiver Realist, der seinen eigenen Nominalismus nicht erkennt.

Sein physisches Problem besteht, damit zusammenhängend, darin, dass er den von ihm so verehrten "Normalzustand" bzw. die "natürliche Ordnung" zwar als historisch verkaufen will, diese(r) aber keine historische Erscheinung ist, sondern ein vollkommen a-historisches Ideal. Er will nichts "wieder"-herstellen, sondern schlichtweg zu einem zukünftigen Ziel hinstreben. Diese "natürliche Ordnung" gab es nie. So richtet sich auch die Mitterlalterverherrlichung nicht auf das tatsächliche Mittelalter (das in der Tat die böse böse Staatlichkeit gekannt hat), sondern auf ein romantisierendes Mittelalterbild. Er macht damit genau das, was auch die preußischen "Barbablanca"-Schreier getan haben.

Sein ethisches Problem besteht, und damit bin ich zunächst mal ganz persönlich getroffen (sogar auf zweierlei Art, wie sich zeigen wird), darin, dass er "Krüppel und Idioten" als Anomalien des (normativ begriffenen) Natürlichen bezeichnet, die beseitigt werden sollten, aber durch das Sozialsystem vermehrt würden. Verallgemeinert und weniger egoistisch ausgedrückt lässt sich sagen: Weil er naiver Realist ist, dadurch menschliches Leben konsequent ökonomisiert und dem Anspruch nach ent-historisiert, ist sein Programm schlichtweg lieb-los. Liebe ist ein Konzept, das dem ausgebreiteten Programm fremd scheint.

Mich schockiert es, dass mir das lange Zeit nicht bewusst war. Das logische und physische Problem lässt sich mit fehlender Bildung rationalisieren, und noch vor einem Jahr wären mir diese Dinge in der Tat kaum aufgefallen. Aber diese Lieblosigkeit (da sind wir bei der zweiten Art getroffen zu sein) muss ich offenbar irgendwie unterdrückt und ignoriert haben. Sofern ich nicht selbst so lieblos war und ihr deshalb zugestimmt habe.

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