In der Weimarer Demokratie beschrieb die Mitte den negativen Raum zwischen den Kommunisten auf der linken Seite sowie den Monarchisten auf der rechten Seite. Die Mitte war hier gewissermaßen eingeklemmt zwischen zwei Republikfeinden: Einerseits diejenigen, die die parlamentarische Republik auf den "Fortschritt" zur Räterepublik hin abschaffen wollten; andererseits diejenigen, die die parlamentarische Republik unter Rückgriff auf (vermeintlich) historische Vorbilder hin abschaffen wollten. Die Zentrumspartei (mit Abstrichen auch SPD, DDP und DVP) stand in dieser Mitte, was sich z.B. daran zeigt, dass das Zentrum gewissermaßen universal anschlussfähig war, Regierungsbündnisse von der SPD bis hin zur DNVP schließen konnte und so an den meisten Regierungen der WR beteiligt war. In Frankreich, wo die republikanische Tradition anders als im Deutschland zur Weimarer Zeit wesentlich zur nationalen Identität gehört, stellt sich die Lage anders dar: Hier stehen rechts und links nicht in erster Linie die Republikfeinde, sondern es stehen dort unterschiedliche Konzeptionen von der Republik. Einerseits die Sozialisten, die ihren Fokus mehr auf die innenpolitische Stärke der Republik hinsichtlich der Gesellschaft legen; andererseits die Gaullisten, die ihren Fokus mehr auf die außenpolitische Stärke der Republik hinsichtlich der Staatengemeinschaft legen. Le centre steht dazwischen, ohne wirklich eine dominante Position besetzen zu können. Analog verhält es sich auch bspw. in den USA zwischen Demokraten und Republikanern, deren Unterschied traditionell unter den Begriffen welfare und warfare subsumiert wird. Hier gibt es faktisch keine Partei der Mitte. Was diese genannten Beispiele betrifft, kann man durchaus sagen, dass die Mitte den halben Weg von der einen zur anderen Seite beschreibt.
HINWEIS: Dieses Weblog ist bis auf weiteres stillgelegt. Es wird nicht mehr aktualisiert und in Kürze auf www.epigonias.de umgestellt.
Mittwoch, 13. September 2017
Mittwoch, 23. August 2017
Filioque
The filioque isn't a heretical addition to the Faith, it is a non-Byzantine expression of the Faith.
Freitag, 15. Januar 2016
Zu Putins Russland
Putin schafft es im Gegensatz zu anderen Oligarchen, die Loyalität seines Landes auf sich zu beziehen: So hat er sich mit Jelzin gegen Jelzin emanzipiert, und als erster Mann im Staat profitiert er natürlich vom Mythos des guten Zaren, der in der Mentalität nach wie vor implizit wie explizit eine große Rolle spielt. Dies nutzt er aus, um seine eigene Macht zu stabilisieren.
Montag, 7. Dezember 2015
Soziale Marktwirtschaft und sozialer Staat
Soziale Marktwirtschaft ist praktizierter Neoliberalismus - schließlich entstammt diese Konzeption der ordoliberalen Strömung innerhalb der Wirtschaftswissenschaften. Aber der akademische Elfenbeinturm ist nur in den seltensten Fällen intuitiv, darum eine politische Argumentation:
"Sozialisten" sollten anerkennen, dass es sich dabei um echte Marktwirtschaft handelt, und dass der (deutsche) Sozialstaat wie er von den 1950er bis in die 1970er Jahre hinein aufgebaut wurde, eine Abweichung vom eigentlichen Konzept darstellt, die vom sozialstaatlichen Unions-Flügel um Adenauer durchgesetzt wurde, gegen die wirtschaftsliberalen Leute um Erhard und Müller-Armack, und um auch den Sozialdemokraten entgegenzukommen.
"Kapitalisten" andererseits sollten anerkennen, dass der Markt eben nicht in erster Linie ein Instrument zur Herstellung bestimmter Ergebnisse darstellt, sondern die natürliche Form zwischenmenschlicher Kommunikation unter dem Aspekt der Knappheit, die als solche des Schutzes durch eine Instanz bedarf, welche zur Ausübung von Macht und Gewalt legitimiert ist.
Soll heißen: Die soziale Marktwirtschaft ist kein "dritter Weg" zwischen Kapitalismus und Sozialismus, sondern in gewisser Weise beides, insofern beide die Ökonomie dem Menschen dienstbar machen wollen anstatt umgekehrt.
Montag, 30. November 2015
Zur deutschen Identität
Es gibt einen Dualismus zwischen dem katholischen und österreichischen, durch und durch übernationalen Süd- und Westdeutschland (Rheinland) einerseits und dem protestantischen und preußischen, durch und durch kleinlich-nationalen Nord- und Ostdeutschland (Elbland) andererseits: Die alte Bundesrepublik war rheinisch dominiert, neben dem amerikanischen Einfluss gab es da freilich noch die französischen Nachbarn (und die grundlegende politische Spannung bestand zwischen Atlantikern und Gaullisten/Kontinentalisten, sowohl außen- als auch kulturpolitisch); die Ostzone hingegen umfasste die (alt-)preußischen Kernlande (Mark Brandenburg) plus das alte Königreich Sachsen und die beiden Großherzogtümer Mecklenburg (wo noch bis 1918 aus dem Kabinett heraus regiert wurde) - Hochburgen des ostelbischen Junkertums, dessen Mentalität natürlich nicht von jetzt auf nachher verschwand.
Sonntag, 15. November 2015
Libertärer Ikonoklasmus: Die "Klimadebatte"
"Werte" sind für den Ökonomen überwiegend quantifizierbare Zuschreibungen gegenüber materiellen Gütern; für den Soziologen hingegen z.B. eher (klassisch-weberianisch) der Inhalt einer urteilenden Stellungnahme, dessen Gültigkeit durchgesetzt werden soll. Der policy maker andererseits kann darunter alles und dessen Gegenteil verstehen, in der Praxis ist das meist irgendetwas im groben Bereich von Tugenden. Diese Unterschiede gilt es im Bewusstsein zu haben, wenn man über den Klimawandel diskutiert und dabei berücksichtigen will, "dass es eben nicht nur um Zahlen, sondern auch um Werte geht".[*]
Sonntag, 27. September 2015
Ist der Nationalismus die "vierte Ideologie"?
Es scheint, dass der Nationalismus neben dem Konservatismus, dem Liberalismus und dem Sozialismus die "vierte Ideologie" darstellt: Moderne Staatlichkeit bedeutet typischerweise Nationalstaatlichkeit, denn der Gedanke der Nation ist die ideelle Grundlage des modernen Staates. Als solche kann der Nationalismus gar als Grundstein der Moderne überhaupt bezeichnet werden. Darum ist der Nationalismus im wahrsten Sinne des Wortes moderne Ideologie.
Dienstag, 22. September 2015
Nationalismus und die deutsche Nation
Der Nationalismus ist als ideelle Grundlage des Nationalstaates zunächst einmal sehr eng mit der modernen Demokratie verknüpft, mit fraternité, égalité, liberté, oder auch den "48ern". Der Nationalismus kann so gesehen als der ideelle Grundstein der Moderne gesehen werden.
Probleme ergeben sich streng genommen erst in Folge, wenn es darum geht, was denn eigentlich die/eine Nation überhaupt ist oder sein soll. Denn es gibt drei große historische Traditionen, den Terminus "Nation" zu begreifen:
Mittwoch, 19. August 2015
St Augustine on the truth of Scripture
Putting St. Augustine's argument on the truth of Scripture as I understand it:
Montag, 27. April 2015
Xenophons Sokrates: Spinoza und Hume
Der Bezug zu Spinoza beruht sehr oft auf zwei grundlegenden Schwierigkeiten, die in Spinozas Begriffen liegen:
Donnerstag, 23. April 2015
Xenophons Sokrates: Materialismus und das Problem des Neuen
Ein interessanter Punkt, an dem man mit Xenophons Sokrates[*] gegen Hume kommen kann: Wenn anerkannt wird, dass der Mensch aus und mit den Elementen ein Dasein besitzt, die auch die Welt konstituieren, dann ist das insofern so, als er eine kleine Menge dieser Elemente in seinem Körper beherbergt, während eine unendlich größere Menge davon in der Welt für das Dasein der Welt sorgt. Spannend wird dann die Frage, ob man einen Analogieschluss durchführen darf, wenn anerkannt wird, dass der Mensch aus und in der Vernunft ein Dasein besitzt. Heißt dies, dass er in sich eine kleine Menge dieser Vernunft beherbergt, während eine unendlich größere Menge davon in der Welt für deren Dasein aus und in der Vernunft sorgt?
Montag, 20. April 2015
Anselm und die Frage des Gottesbeweises
Die "Toren", auf die Anselm in Kapitel 2 seines Proslogion zu sprechen kommt, sind zunächst einmal diejenigen, die gemäß Psalm 14,1 "in ihrem Herzen [sagen]: Es gibt keinen Gott." Der Psalm selbst konstatiert übrigens in den folgenden Versen 2-3:
"Der Herr blickt vom Himmel herab auf die Menschen,
ob noch ein Verständiger da ist, der Gott sucht.
Alle sind sie abtrünnig und verdorben,
keiner tut Gutes, auch nicht ein einziger."
Es sind also nicht "die Ungläubigen" als spezielle Gruppe gegenüber den Gläubigen,[*] die "nach Anselms Gleichung" die "Toren" seien, sondern alle Menschen. Und das ist gleichsam der Anspruch, unter dem Anselm sein Argument formuliert:
An ergo non est aliqua talis natura,
quia "dixit insipiens in corde suo: non est deus"?
Anselm geht der Frage nach, ob solch eine natura nicht vorhanden sein könne, wenn (und weil) alle Menschen sie von Herzen verneinen.
Dienstag, 14. April 2015
Glaube und Wissenschaft
Ohne religiösen Glauben keine Wissenschaft - das kann man so pauschal sagen, und es zeigt sich sehr schön anhand der Wissenschaftsgeschichte. Die intelligible Welt entspringt dem Glauben an eine nach-denkbare Schöpfung, die von ihrem Schöpfer vor-gedacht wurde, die fides quaerens intellectum zieht sich durch die letzten 2000 Jahre: Die empirischen Methoden verdanken wir u.a. dem Franziskaner Bacon, "Ockhams Rasiermesser" wurde gar direkt nach einem mittelalterlichen Mönch benannt, von den jesuitischen Astronomen ist meist nur negativ die Rede (wahrscheinlich weil sie Galilei im Experiment widerlegten), und mit Jean Picard (Berechnung des Erdumfangs), Francesco Grimaldi (Diffraktion des Lichtes) oder Gregor Mendel (Vererbungslehre) haben wir gar katholische Priester als Pioniere bestimmter Forschungsrichtungen, ebenso wie Georges Lemaître, der die von ihm entwickelte "Urknall-Theorie" (eigentlich ein Spottname der Verfechter der mittlerweile überholten "Steady State"-Hypothese) gar gegen Albert Einstein verteidigen musste. Und das ist mal nur eine ganz kleine Auswahl aus der katholischen Seite, von der protestantischen Tradition haben wir hierbei noch gar nicht gesprochen.
Mittwoch, 4. Februar 2015
Heinrich Heine und die Einheit des Intellekts
Heinrich Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland:
"Nach ihrer [= der Spiritualisten] Weltanschauung ist die Materie an und für sich böse, was doch wahrlich eine Verleumdung ist, eine entsetzliche Gotteslästerung."
Aus der katholischen Tradition heraus kann ich dem vollen Herzens zustimmen. Insofern die "Spiritualisten", auf die sich Heine bezieht, lehren, dass "die Materie an und für sich böse" sei, handelt es sich dabei um eine "Verleumdung", ja "Gotteslästerung": Schließlich wurde Adam dem Bericht der Genesis zufolge zu Beginn der Menschheitsgeschichte aus Erde vom Ackerboden geformt (Gen 2,7); und der logos, das heißt: Gott (Joh 1,1), ist zum Höhepunkt der Menschheitsgeschichte Fleisch geworden (Joh 1,14). Am Ende der Geschichte steht, last not least, die Erneuerung von Himmel und Erde (Offb 21). Wir sehen also: In allen drei Akten der Theo-Dramatik spielt die Materie eine wesentliche Rolle im Heilswillen Gottes. Die Liebe zur Materie ist damit nicht nur im offenbarten Willen Gottes verankert, sondern sie muss folglich auch in authentischer Theo-Logik reflektiert und gefunden werden. Ein sehr katholischer Standpunkt, wie ich meine, denn es sind ja gerade die Katholiken, die für ihre eucharistische Anbetung und den Glauben an die Realpräsenz (d.h. Gott sei ganz real in der materiellen Eucharistie gegenwärtig) Schimpf und Schelte erhalten.
Dienstag, 3. Februar 2015
Antijudaismus und Antisemitismus
Der vormoderne Antijudaismus gründete in christlichen Vorstellungen von Heilsgeschichte, und die Feindschaft zu den Juden zog ihre Selbstlegitimation aus explizit religiösen Argumenten (Töten des Messias, Hostienschändung, Ritualmord, generelle Ungläubigkeit, ...). Gegen diesen religiösen "Obskurantismus" trat der moderne Antisemitismus ins Feld (z.B. durch Gründung der Antisemitenliga 1879 in Berlin) - und er begründete seine Feindschaft dem eigenen Anspruch nach rational, d.h. wissenschaftlich. Deshalb wurde das religiöse "Judaismus/Jude" durch das (vermeintlich?) wissenschaftlich (kulturwissenschaftlich, ethnologisch, biologisch) greifbare "Semitismus/Semit" ersetzt, das aus der Philologie stammt.
Sonntag, 14. September 2014
Kreuz, Auferstehung und Historiographie
Gegen die Theorie, Jesus sei gar nicht gestorben, sondern nur betäubt gewesen, spricht die römische Kreuzigungspraxis: Ein Soldat, der es zulässt, dass ein verurteilter Rebell, ein Staatsfeind, der Hinrichtung entgeht, macht sich des Hochverrats schuldig. Man kann nach allem, was man so historisch herausgefunden hat, davon ausgehen, dass ein Hingerichteter auch wirklich tot war, wenn die Römer ihn hingerichtet haben. Gerade auch dann, wenn es sich um die brutalste Hinrichtungsmethode im Arsenal handelte. Wer das im Falle Jesu bezweifelt, muss mindestens erklären, welches Motiv die beteiligte römische Soldateska gehabt haben soll, gerade diesen Staatsfeind am Leben zu lassen.
Normalerweise kommt darauf der logische Einwand, dass er dann halt nicht gekreuzigt wurde: Keine Kreuzigung, kein Hochverrat der Soldateska. Das zieht allerdings wiederum die Frage nach sich, warum er dann nicht von den Juden als Messias anerkannt wurde (und wird): Schließlich war es das Ausschlusskriterium für einen Messiasprätendenten, wenn er von den Feinden Israels besiegt und/oder getötet wurde. Bar Kochba beispielsweise wurde von den eigenen Leuten umgebracht, als klar war, dass die Römer siegen würden. Ohne Kreuzigung kein Sieg der Feinde Israels, und das heißt, dass dieser Jesus wohl der Messias sein kann. Warum anerkennen bzw. anerkannten das die Juden der Zeitenwende nicht? Warum haben sie lieber behauptet, dass die Jünger dieses Prätendenten den Leichnam geklaut und versteckt hätten? Und warum haben die Zeitgenossen des Paulus es nicht ausgeschlachtet, dass der niemals gekreuzigte Jesus so gar nicht zu dem Christus passt, den er verkündet ? Da stehen wir jetzt vor der Entscheidung: Wollen wir vernünftig darüber reden, also handfeste Argumente betrachten? Oder wollen wir lediglich Vermutungen anstellen?
Donnerstag, 4. September 2014
Jesus mit Humboldt verstehen
In Jesus können wir die mechanischen, physiologischen und psychologischen Kräfte wirken sehen.
Soll heißen: In Jesus finden wir ganz grundlegend die physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse, die man im Menschen physikalisch, chemisch und biologisch erforschen und nachvollziehen kann; und das sind ebenjene mechanischen und physiologischen Kräfte, von denen Humboldt in seiner Abhandlung "Über die Aufgabe des Geschichtsschreibers" spricht. Jesus aß, er trank, er hatte Stoffwechsel, ging zur Toilette, seine Haare und Fingernägel wuchsen, er blutete bei entsprechender Verletzung, usw. In Jesus finden wir auch all diejenigen geistigen, denkerischen, "seelischen", eben psychologischen Prozesse, die sich geistes-, sozial- oder kulturwissenschaftlich erforschen und nachvollziehen lassen. Er hatte Bedürfnisse, wollte essen und trinken, traf Entscheidungen, hatte Angst, hat sich gefreut, war wütend, hat willentlich und wissentlich mit anderen Menschen interagiert, geredet und gepredigt, diskutiert und verkündet usw.
Diese mechanischen, physiologischen und psychologischen Kräfte sind jedoch für sich genommen nicht befriedigend, sie können für sich genommen nichts erklären und wir können sie für sich genommen nicht begreifen. Es nutzt uns in Bezug auf Jesus nichts, wenn wir wissen, dass er aß und trank, es nutzt uns auch nichts, wenn wir wissen, wie oft er aufs Klo ging oder wie schnell seine Haare im Monat gewachsen sind.
Was wir, v.a. wenn wir es mit anderen Menschen zu tun haben, wissen wollen, ist ein gewisses "Warum":
Mittwoch, 16. April 2014
Zur katholischen Sexualmoral
Das "Gedankengut der katholischen Kirche wie sie früher war" und dem viele "schon einen Teil der Verantwortung" geben würden, ging ziemlich lange von der Annahme aus, dass das Zeugen eines Kindes nur dann funktioniert, wenn die Frau zum Höhepunkt kommt. Ergo: Der weibliche Orgasmus war Pflicht beim Sex. Es war insofern eher so, dass es zum Schämen war, wenn man keinen tollen Sex hatte. Denn da hatte man als Mann - der damaligen Auffassung gemäß - die Frau nicht befriedigt, ergo nicht gezeugt und damit nur zum eigenen Vergnügen gepimpert.
Montag, 31. März 2014
Kulturfaschismus ist Häresie
"Natur und Geschichte sind die weitesten Begriffe, unter denen der menschliche Geist die Welt der Erscheinungen begreift."[1] Mit dieser Feststellung leitete Johann Gustav Droysen, ein Gründervater der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung, in der Mitte des 19. Jahrhunderts seine Vorlesung über die Methodik seiner Disziplin ein. Natur und Geschichte - es sind dies zwei Begriffe, die bis zum heutigen Tage ein Paar bilden, wenngleich in etwas anderer Nuancierung als zu den Zeiten des preußischen Historikers: Waren beide Begriffe für Droysen dadurch verbunden, dass die Natur das Nebeneinander des Seienden, die Geschichte das Nacheinander des Gewordenen umfasse, so liegt der Fokus in der heutigen Zeit eher auf dem Gegensatz, der durch das Begriffspaar Natur-Kultur ausgedrückt wird: Die Natur umfasse all das, was nicht vom Menschen stammt, während die Kultur jene Sphäre der Erscheinungen darstellt, die der Mensch hervorgebracht hat, hervorbringt und hervorbringen wird. Auch dies findet sich bei Droysen - und mit ihm auch bei allen nachfolgenden Denkern, die eine Differenzierung zwischen Naturwissenschaften einerseits und Geistes-, Sozial- oder Kulturwissenschaften andererseits vollziehen.
Montag, 26. August 2013
Weltbilder natürlich erklärt
Den heliozentrischen Kosmos zum Proto-Atheismus zu stilisieren ist nichts als fromme Legende. Auch im Heliozentrismus bewegen sich die Körper (zunächst) nicht selbst, sondern die Sphären; die Differenz zum Geozentrismus besteht lediglich in der Anordnung der Sphären. Erst mit der Einführung des Äthers bewegen sich dann die Körper selbst.
Aber die heliozentrische Wende lässt sich ja durchaus auch sozialgeschichtlich erklären:

