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Mittwoch, 23. November 2016

"Paleys Uhrmacher" und das ethnologische Argument

Der sog. "indirekte Gottesbeweis" - damit ist vor allem "Paleys Uhrmacher" gemeint - ist eine relativ neu(zeitlich)e Erfindung, denn er setzt den mechanischen Kosmos etwa eines Isaac Newton voraus. In historischer Dimension ist er zudem nicht Vorläufer von, sondern Reaktion auf Aufklärung und Naturwissenschaft; dies aus einer bestimmten Ecke heraus, die vor Leibniz' Deismus - Gott als zureichender Grund, d.h. erste Formursache - so nicht (ernsthaft) denkbar war.

Sonntag, 3. Januar 2016

Was Gott *nicht* ist

Es mag unterschiedlichste "Ansichten über Gott" geben, doch die seriöse Theologie ist sich (gemeinsam mit der seriösen Philosophie) wundersamerweise einig über ein paar Grundlagen. In jüngerer Zeit hat dies David Bentley Hart auf superbe Art und Weise dargestellt: Die abendländische causa prima, der indische satchidananda, das islamisch-sufistische wujud / wijdan / wajd - sie teilen alle eine gemeinsame Annahme über das, was "Gott" genannt wird, und sie alle lehnen die Identifikation von "Gott" mit einem bloßen Demiurgen ab. Das spiegelt sich auch in den großen Traditionen der mittelalterlichen Gelehrsamkeit wider - drei große Namen wären hier Averroës, Maimonides und Aquinas; nicht ganz so bekannt scheinen Shankara, Eriugena, Avicenna.

Was bei ihnen mit "Gott" gemeint ist, unterscheidet sich so fundamental von dem, was Richard Dawkins, Christopher Hitchens, Daniel Dennet, Sam Harris oder Bill Maher heutzutage darunter verkaufen wollen, und zu einem Großteil auch davon, was Ken Ham, Kent Hovind oder die kreationistischen Freizeit-Apologeten auf Youtube als Gott behaupten. Hier müssten wir für eine sinnvolle Diskussion die gleiche Sprache sprechen.

Dienstag, 8. Juli 2014

Zur Theorie der Evolution

Das grundlegende Problem in der Debatte um die Evolution besteht nicht so sehr im Gegenüber von Schöpfung und Evolution - geschweige denn im ständig beschworenen angeblichen Kampf zwischen "Glaube und Wissenschaft" -, sondern viel mehr in der Frage, wie und in welchem Licht die Welt betrachtet wird.

Wenn die Welt kontingent, oder mehr noch: ihrem Wesen nach Kontingenz ist, so ändert sie sich, weil es ihrem Wesen entspricht. Unter dieser Voraussetzung kann der Wandel, kann Veränderung in der Welt aus den Dingen der Welt, also aus dem, was zur Welt gehört, selbst erklärt und beschrieben werden; es bedarf hier keiner äußeren Ursache oder eines Ursprungs, der außerhalb der Welt läge. Wenn die Welt Kontingenz ist, dann stellt der Naturalismus eine, wenn nicht sogar die einzig adäquate Methode bereit, ihre inneren Abläufe zu beschreiben. Eine Weltanschauung, sei sie nun philosophischen, theologischen oder religiösen Ursprungs, die die Welt als Kontingenz betrachtet, kommt daher um den Naturalismus nicht umhin. Andererseits gilt auch: Insofern Wissenschaft den Naturalismus verficht, muss sie sich der Frage nach der Kontingenz der Welt stellen. Ist die Welt also Kontingenz?

Sonntag, 2. September 2012

Zu "Evolution als Tatsache"

"Evolution" ist ein Konstrukt, mit dem viele verschiedene Tatsachen geordnet werden können, durch das sie unter einer gemeinsamen Idee zusammengefasst werden. Als solches funktioniert es auch sehr gut: Die (vermeintlichen) Sprünge in der Makroevolution sind meines Erachtens nach ein Punkt, der nur die menschliche Begriffswelt betrifft. Auch eine Art im biologischen Sinne ist erstmal nur ein Konstrukt, durch das verschiedene Tatsachen unter einen Hut gebracht werden. Es ist ja gerade der Clou an einer Begriffssetzung, dass Grenzen gezogen werden (beispielsweise dort, wo genetische Inkompatibilität vorliegt), wenn man so will eine intrinsische Notwendigkeit biologischer Forschung. Es stellt sich die Frage, ob man das eine - Mikroevolution - ohne das andere - Makroevolution - überhaupt denken kann. Und umgekehrt natürlich auch.

Der Gedanke der Evolution sollte historisch niemals einen Gott widerlegen, sondern u.a. erklären, wie es sein kann, dass es manche Tierarten heutzutage nicht mehr gibt (der Mosasaurus war Ende des 18. Jahrhunderts eine der ersten Arten, die als ausgestorben anerkannt wurde) - unter der Voraussetzung, dass man Gott nicht zutraute, Tierarten, die er geschaffen hatte, einfach so zu vernichten. So wurde der Gedanke der Evolution (Lamarck) bzw. Deszendenz (Darwin) entwickelt: Die vermeintlich ausgestorbenen Tierarten sind recht eigentlich nicht ausgestorben, sondern haben sich (weiter-)entwickelt (lat. evolvere). Die heutigen Tierarten sind demnach Abkömmlinge (lat. descendere - herabsteigen) früherer Arten. Ich würde darum sagen: 

Die Spannung zwischen Schöpfung und Evolution lässt sich nur lösen durch einen ganzen Gott und einen ganzen Darwin.

Samstag, 28. April 2012

Was ist Kreationismus?

Spätestens seit Kopernikus die Erde entgegen aller sinnlichen Erfahrung um die Sonne kreisen ließ, gibt es keine unmittelbar empirische (Natur-)Wissenschaft mehr. Und spätestens seit Kant wissen wir, dass Galileos "Buch der Natur" seine Gesetze nicht exegetisch, sondern eisegetisch preisgibt: sie werden nicht heraus-, sondern hineingelesen.
Die Naturwissenschaft steht damit vor einem Problem, das die Geisteswissenschaft nicht kennt: Um sinnvolle und vor allem zutreffende Aussagen tätigen zu können, muss sie die Kluft zwischen forschendem Geist und erforschter Materie, zwischen praktizierter Eisegese und angestrebter Exegese überwinden. Anders: Sie muss voraussetzen, dass die Natur als wissenschaftlicher Gegenstand auf irgendeine Art und Weise Geist ist.

Ein Materialismus, wie Richard Dawkins ihn beispielhaft vertritt, geht davon aus, dass der Geist aus der Materie hervorgeht (in seinem "Gotteswahn" führt er diesen Punkt explizit auf). Damit nun der menschliche Geist die Materie, die ihm als Natur begegnet, begreifen kann, muss diese also auf irgendeine Weise auch Geist sein. Am einfachsten kann das mit der Annahme gedacht werden, dass die Materie, die der menschliche Geist erfassen kann, von einem noch größeren Geist geordnet, d.h. ver-geistigt wurde. Ein konsequent gedachter Materialismus kommt damit nicht ohne die Voraussetzung eines Demiurgen aus, d.h. eines Handwerkers, der die Materie in irgendeinem Sinn ordnet, ihr also irgendeinen Geist gibt.
Weiterhin: Aus dieser Annahme folgt, dass es Materie gibt, die nicht auf irgendeine Art und Weise Geist ist und die folglich auch nicht durch den menschlichen Geist verstanden und begriffen werden kann. Der Demiurg nimmt dabei eine Mittelposition ein: Als Geist, der die Materie ordnet und ver-geistigt, kann er begriffen werden. Was darüber hinausgeht, entzieht sich aber dem menschlichen Verständnis, da seine eigene Herkunft nicht nachvollziehbar sein muss; schließlich entstammt er der Materie, die nicht Geist ist. Vielleicht (oder wahrscheinlich?) kann er seine Herkunft ebenfalls nicht erklären geschweige denn begreifen.
Es wäre natürlich auch denkbar, dass die Herkunft des Demiurgen auf einen noch größeren Geist, d.h. einen Demiurgen-Erschaffer verweist, der wiederum von einem noch größeren erschaffen wurde und so weiter bis in den infiniten Regress. Diesen Ansatz halte ich aber für eine nur schlecht kaschierte Absage an den Materialismus, da hierbei dem anfangs postulierten Verhältnis von Materie und Geist - "Geist geht aus Materie hervor" - widersprochen wird und beide in unendlicher und damit geichberechtigter Wechselwirkung stehen.

Der springende Punkt: Eine so verstandene und praktizierte Naturwissenschaft bedeutet Schöpfungswissenschaft. Erforscht wird nicht die Materie selbst, sondern der Schöpfergeist des Demiurgen, der dahinter steht. Dafür gibt es einen latinisierenden Ausdruck: Kreationismus.