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Montag, 6. September 2021

Gedanken zur priesterlichen Lebensform

Ich muss ja zugeben, dass ich mich etwas am weit verbreiteten Ausdruck "Pflichtzölibat" störe: Nach momentaner kanonischer Regelung gehört die Verpflichtung zur Ehelosigkeit in der lateinischen Westkirche zum Priesteramt dazu (und in den Ostkirchen m.W. nur zum Bischofsamt), so dass man parallel zur Gebetspflicht, der Gehorsamspflicht oder der Verpflichtung zum Streben nach Heiligkeit m.M.n. besser von der Zölibatspflicht sprechen sollte.

Die Umkehr der Wortbestandteile ist dabei nicht bloß rhetorischer Zinnober, sondern sie schiebt, wie ich sagen würde, auch den Fokus der Debatte in eine andere Richtung: Anstatt sich auf die sexuelle Enthaltsamkeit einzuschießen, die mit der (i.A. doch eher unangenehm konnotierten) Vorsilbe "Pflicht-" verknüpft wird, stehen hier die Aufgaben (Pflichten) des Priesters erstmal allgemein im Vordergrund, während der einleitende Bestandteil (Zölibat, Gebet, Gehorsam, ...) deren Konkretisierung anzeigt. So lässt sich dann viel besser Fragen: Gehört die Ehelosigkeit zum inneren Gehalt des Priestertums?

Ein paar unvollendete und unsystematische Gedanken:

Sonntag, 12. Juli 2020

Nach Grübeln kommt Enttäuschung

Frei heraus gesprochen bin ich enttäuscht über die theologischen und spirituellen Antworten, die während dieser Pandemie bislang so in die Breite abgegeben wurden bzw. über das weitgehende Fehlen solcher Antworten. Lichtblicke habe ich ganz am Anfang gesehen in der öffentlichen Kommunikation mancher Bistümer und im Verlauf des Ganzen dann in den Aktivitäten von Einzelnen. Ganz besonders enttäuschend empfand und empfinde ich allerdings jene Gruppen, die sich sonst (?) als dezidiert "kirchentreu" geben (wollen), darunter ganz besonders die "Traditionalisten". Es ging (geht) für mein Empfinden zu viel um z.B. kirchenrechtliche Spitzfindigkeiten; so bspw. darüber, wer jetzt konkret unter welcher Jurisdiktion steht und an welche Anweisungen gebunden ist, oder ob die Bischöfe im Verbund dies und jenes jetzt wirklich so kirchenrechtlich eindeutig entscheiden dürfen etc. Kurzum: M.E. sind gerade diejenigen, die in anderen Fällen oft bemängeln, dass die Bischöfe nicht durchgreifen würden, sprichwörtlich auf die Barrikaden gestiegen, eben weil die Bischöfe (inkl. des Bischofs von Rom) hier mal klare Ansagen gegeben haben. Dabei ist das gar nicht einmal das Problem, das ich an dieser Stelle habe, denn schließlich ist die inhärente Teilhabe am Widerspruch (ursprünglich zwischen Sein und Nichts, d.h. zwischen existenzieller Unmittelbarkeit und essentieller Nicht-Kategorisierbarkeit) in der nachhegelianischen Welt ein Gradmesser für die Wirklichkeit, die ein Sachverhalt an sich und in sich besitzt. Was mich an der ganzen Sache wirklich stört, ist die fehlende theologische Tiefe oder oftmals auch das Fehlen überhaupt einer theologischen Perspektive, eine bei allem Schießen gegen die Bischöfe (und damit eigentlich gegen die institutionalisierte Kirche) letzten Endes ausbleibende spirituelle Antwort auf die Pandemie. Anstatt einer durchaus legitimen, und vielleicht auch wirklich notwendigen, anderen Geschmacksrichtung im Katholischen zusätzlich zur offiziell-institutionellen kirchlichen Antwort nehme ich zur Zeit viel mehr ein ausgeprägtes Partisanentum wahr: In der deutschsprachigen Kirche an der groben Ausrichtung für/wider den synodalen Weg - ganz so, als hätten die Bischöfe jegliche Autorität verspielt, weil sie auch hier ihre eigene Autorität in die Waagschale legen und sich dabei gar "dem Staat unterwerfen". Im anglo-amerikanischen Umfeld an der groben Ausrichtung für/gegen Trump - ganz so, als wäre die Entscheidung zu seinen Gunsten alternativlos, weil er mit dem Thema Abtreibung nun das eine Wahlkampfthema gefunden hat, mit dem er die "religiöse Rechte" füttern und ruhig stellen kann, weswegen sich da die Kirche gewissermaßen ruhig mal "dem Staat unterwerfen" könne oder solle. Und so verläuft mitten durch die Kirche ein Riss zwischen den Extrempunkten new left und alt right, hüben wie drüben in den jeweils kulturspezifischen Ausprägungen, allerdings mit ähnlichen Bezügen auf Karl Marx (new left) und C.G. Jung (alt right). Das wiederum nicht notwendig explizit oder formal, sondern durchaus implizit und inhaltlich, insofern grundlegend alles auf sozio-ökonomische Umstände (sprich: institutionalisierte Macht und Gewalt) oder psychologische Dispositionen (sprich: bewusste und unbewusste Archetypen) reduziert wird bzw. werden soll. Und hier setzt sich wohl auch innerhalb der Kirche ein Narrativ des othering durch, demnach stets die anderen Probleme nicht mehr nur haben oder machen, sondern mehr und mehr das Problem sind.

Samstag, 23. Mai 2020

The Epicurean paradox

David Hume:
Epicurus’s old questions are yet unanswered. Is he willing to prevent evil, but not able? then is he impotent. Is he able, but not willing? then is he malevolent. Is he both able and willing? whence then is evil? 

Discuss.

Freitag, 7. Februar 2020

Necessary clarifications

Being gay can't be considered a sin, simply because it's not even clear what "being gay" means in the first place. Does it refer to a specific biological inclination? Does it mean a particular psychological experience? Is it meant to signify a concrete sociological action? All of the above? Nothing of the above, but something else? Unless this isn't clarified, saying that "being gay is a sin" is nothing but a rallying cry appealing to identity politcs. It's that simple.

Samstag, 22. Juni 2019

Gott und Person-Sein

"Gott" ist in der Religionsgeschichte üblicherweise eine Chiffre für etwas Unverfügbares; für etwas höchst Erhabenes; für etwas Absolutes, das losgelöst besteht von den natürlichen Zusammenhängen, denen der Mensch unterworfen ist; für etwas "Über-natürliches" (wobei es da gewaltige, geradezu himmelweite Unterschiede gibt); oder für einen bzw. mehrere über-mächtige Akteure. Das kann im poly- und henotheistischen Kontext eine Art von Über-Mensch sein, im Pan(en)theismus umfasst es die Gesamtheit der Natur und ggf. noch ein bisschen mehr, und in der philosophischen Tradition handelt es sich um Fixpunkte, Absoluta oder letzte Notwendigkeiten im Denken.

Freitag, 19. April 2019

Maria und die zeitgemäßen Konventionen

Mit Maria wird uns im biblischen Narrativ eine Frau präsentiert, die ganz entschieden und in vollkommener innerer Freiheit Ja sagt zu einem unehelichen Kind - also einem Kind, das nicht von dem Mann stammt, mit dem sie ehelich verbunden ist. Zugleich steht sie damit auch und vor allem gegen die gesellschaftlichen Konventionen der Zeit:

Dienstag, 8. Mai 2018

Zur ersten Ursache

Wenn eine Erklärung für etwas gefunden werden soll, das heißt: wenn eine Sache A auf eine Ur-Sache B zurückgeführt werden soll, dann stellen sich gewisse Schwierigkeiten ein:

Samstag, 21. April 2018

Fremdbestimmung und Selbstbestimmung: Kindertaufe

Dass Fremd-bestimmung vor Selbst-bestimmung stattfindet, gehört zu den ontologischen Merkmalen des Mensch-Seins. Denn noch bevor ein Mensch überhaupt das erste Mal "ich" oder "nein" sagen kann, werden bereits die grundlegenden Dinge seines Daseins von anderen bestimmt: Ob er überhaupt existiert, in welche Verhältnisse er hineingeboren wird, wie er heißt, zu welcher Familie er gehört, welches Geschlecht er hat, welchem Staat er angehört. Die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft ist ebenfalls solch ein Merkmal, und es kann positiv oder negativ bestimmt werden. Religiös unbestimmt ist kein Mensch, denn er kann auch ohne formelle Aufnahme in eine Gemeinschaft immer als Kind von atheistischen, buddhistischen, christlichen, daoistischen, esoterischen, freidenkerischen, gnostischen, hinduistischen, islamischen, jesidischen, ... you name it ... Eltern bestimmt werden. Und sofern die Eltern mit dem Kind inter-agieren, wird es auch immer durch die religiöse oder weltanschauliche Überzeugung der Eltern zumindest mit-geprägt.

Montag, 9. April 2018

Die Wissenschaftlichkeit der Theologie

Die Naturwissenschaften sind seit geraumer Zeit nicht mehr nur in der Welt des Meters, des Kilogramms und der Sekunde unterwegs, sondern sie gehen über diesen menschlichen Mesokosmos (das zwischen dem ganz Großen und dem ganz Kleinen) hinaus, nämlich hinein in den Mikrokosmos (das ganz Kleine) sowie in den Makrokosmos (das ganz Große). Wo die menschlichen Sinnesorgane zu grob (Mikrokosmos) oder zu fein (Makrokosmos) für diese Maßstäbe sind, da entzieht sich der Gegenstand der unmittelbaren menschlichen Anschauung, und es werden handwerkliche Hilfsmittel eingesetzt, um diese Sachverhalte in den menschlichen Mesokosmos zu übersetzen: So wird gewissermaßen das Unsichtbare sichtbar gemacht.

Diese Übersetzungen geschehen vermittels formal geregelter Vorgehensweise, die auf eine saubere, nachvollziehbare und folgerichtige Darstellung zielt; so können es andere Leute zu anderer Zeit an anderem Ort auch verstehen. Als Bestandteil dieser sauberen, nachvollziehbaren und folgerichtigen Darstellung werden künstliche Sachverhalte unter formal geregelten Bedingungen erzeugt, die im Idealfall von anderen Leuten zu anderer Zeit an anderem Ort wiederholt werden können. Klappt so eine Wiederholung nicht oder zeigt sich die Darstellung anderweitig nicht als nachvollziehbar oder folgerichtig, so muss nachgebessert werden.

Zum Fach "Theologie"

Dass Theologie vornehmlich bekenntnisgebunden studiert und gelehrt wird, stellt in der Tat eine - sowohl historisch als auch durchaus systematisch bedingte - Eigenart dieses Faches dar. Die Unterscheidung zwischen katholischer, protestantischer, orthodoxer oder gar jüdischer (Jüdische Studien) und islamischer (Islamwissenschaft) Theologie ist einerseits schärfer als z.B. zwischen "orthodoxer" (neo-klassische Synthese) und "heterodoxer" (Marxismus, Österreichische Schule, ...) Wirtschaftswissenschaft oder zwischen newtonscher und einsteinscher Physik, andererseits aber nicht so scharf wie z.B. zwischen Soziologie und Sozialgeschichte oder Ethnologie und Archäologie. Die Bekenntnisgebundenheit der Theologie markiert damit mehr als nur Denkschulen, aber doch weniger als separate Fächer. Im Sinne der akademischen Pluralität scheint mir so eine dritte Ebene problemlos tolerabel.

Mittwoch, 4. April 2018

"Sklaverei in der Bibel": Levitikus 25

Lev 25,44-46:
Die Sklaven und Sklavinnen, die euch gehören sollen, kauft von den Völkern, die rings um euch wohnen; von ihnen könnt ihr Sklaven und Sklavinnen erwerben. Auch von den Kindern der Halbbürger, die bei euch leben, von den Kindern, die sie in eurem Land gezeugt haben, könnt ihr Sklaven erwerben. Sie sollen euer Eigentum sein, und ihr dürft sie euren Söhnen vererben, damit diese sie als dauerndes Eigentum besitzen, ihr sollt sie als Sklaven haben. Aber was eure Brüder, die Israeliten, angeht, so soll keiner über den anderen mit Gewalt herrschen.

Ich verstehe diese Passage zunächst einmal als Auszug aus einem größeren Text, und ich frage folglich: Aus welchem Text ist diese Passage entnommen? In welchem Kontext steht diese Passage? Im Grunde ist das das normale Prozedere, um Texte aus der menschlichen Kulturgeschichte zu verstehen. 

Und weil die Bibel eine Sammlung von Texten aus der menschlichen Kulturgeschichte beinhaltet, lässt sich dieses Vorgehen auch auf die Schriften der Bibel anwenden:

Sonntag, 14. Januar 2018

Theologie und Wissenschaft

Von Zeit zur Zeit erreichen mich Artikel wie dieser hier, die sich kritisch mit der Wissenschaftlichkeit der Theologie auseinandersetzen. Es geht mir hier nun um die Evaluierung von drei konkreten Punkten, die zwar im Herzen der vorgebrachten Argumentation stehen, aber eher ungenau präsentiert werden.


Donnerstag, 11. Januar 2018

Die Grenzen der Vernunft

Der katholische Glaube spricht auch über die Grenzen der Vernunft. Hier liegt der Anknüpfungspunkt zum philosophischen Teilbereich der Erkenntnistheorie bzw. Epistemologie, die sich u.a. ebenfalls mit diesen Grenzen beschäftigt. Kirchenlehre ist dabei:

  • Der Mensch kann vermittels seiner natürlichen Vernunft selbständig erkennen, dass Gott ist (Katechismus der Katholischen Kirche, Ziffer 31-35).
  • Der Mensch kann vermittels seiner natürlichen Vernunft jedoch nicht selbständig erkennen, was oder wie Gott ist - hierfür bedarf es der Offenbarung (KKK 36-38).
  • Das Reden von und über Gott besitzt immer schon Grenzen und kann Gott nie vollständig in der Sprache abbilden (KKK 39-43). 

Freitag, 29. Dezember 2017

Theodizee

Ich sehe keinen Widerspruch zwischen a) dem Bezug zu Leuten, die sich schon vor mir Gedanken über Fragen gemacht haben, die auch ich mir stelle, und b) einem persönlichen Statement, das ich abgebe. Ich muss ja nicht zwanghaft das Rad neu erfinden - weder in der Wissenschaft noch in der Musik noch im Glauben. Und wenn mich ein fremder Gedankengang überzeugt, dann wäre es a) unsinnig, ihn abzulehnen bloß weil er nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen ist, und b) unredlich, ihn gegenüber Dritten als meine eigene Erfindung auszugeben. Ich weiß, dass man das auch anders sehen kann: Anderen zu unterstellen, sie hätten das Potenzial, einen selbst zu überzeugen, versteht sich nicht von selbst.

Was die Theodizee angeht, bin ich nun in einer Zwickmühle zwischen dem, was ich denke, und dem, was gemeinhin von mir verlangt wird: Was ich denke, steht - genau wie die übliche theologische Fragestellung - unleugbar in der Tradition der abendländischen Geistesgeschichte vom antiken Griechenland bis heute. Verlangt wird meist hingegen eine Antwort, die diesen Bezug nicht erkennen lassen darf - im Gegensatz zur Frage selbst, die mit der Bezeichnung als Theodizee natürlich einen klaren Bezug formuliert.

Versuch einer Antwort, aufgrund der Aufgabenstellung notwendig verkürzt:

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Zur naiven Bibelexegese

Man sollte zunächst einmal unterscheiden zwischen der wörtlichen Lesart, wie sie am Beispiel der christlichen Tradition bereits vor dem Aufkommen des Fundamentalismus praktiziert wurde (z.B. im Rahmen des vierfachen Schriftsinns), und der ... ich nenne sie mal "wortwörtlichen" Lesart, wie sie im Fahrwasser des Fundamentalismus ab dem 19. Jahrhundert heutzutage auch ganz gerne von Glaubens-, Kirchen- und Religionskritikern praktiziert wird. Da gibt es durchaus erhebliche Unterschiede, nicht zuletzt weil letztere Lesart eben schlicht naiv ist. So hat z.B. Augustinus von Hippo eine Schrift über das wörtliche Lesen des Buches Genesis verfasst (De Genesi ad litteram) - dies kann mit der Brille des Fundamentalismus aber nur schwer als "wortwörtliche" Lesart verstanden werden. Eben weil es keine naive Lesart beschreibt.

Hier liegt also ein erstes Missverständnis: Wörtliche Lesart und fundamentalistisch-naive Lesart sind nicht dasselbe. Zur Verdeutlichung vielleicht ein Beispiel:

Sonntag, 17. September 2017

Self-movement and spiritual death

Death as a theological concept (and mind you, the Genesis narrative presents a theological reflection, not a scientific, or biological, or psychological study) is distinct from mere material (physical, chemical, biological) change, or trans-formation, or meta-bolism, even though it can correspond with it.

Samstag, 16. September 2017

On original sin

The fall of man, or original sin (peccatum originale originans) as one might call it, is not so much a chronological state or phase but rather an ontological moment in nature as man experiences it. Therefore, the account of the natural sciences might not show any differences between the time before man and with man: it's just beyond their scope, and rightly so - they don't need to be concerned with that kind of question.

On a side note, one should also distinguish between natural desasters, diseases or consumption within the animal world, and cruel, immoral or sinful behaviour in the human world. A lion is not "evil" for eating the antelope, the eagle is not "immoral"  when he hunts the gopher, and the crocodile doesn't "sin" by devouring the gnu. It's just what they do. Man, however, has the ability to reflect on his behaviour, to distinguish between good and bad (or evil) - in other words: man can go beyond or against his nature, other animals can't.

Mittwoch, 23. August 2017

Filioque

The filioque isn't a heretical addition to the Faith, it is a non-Byzantine expression of the Faith.

Donnerstag, 20. April 2017

Utrum haeretici sint tolerandi (STh II-2 Q.11 a.3): Sollen Häretiker geduldet werden?

Die Frage Utrum haeretici sint tolerandi - Ob Häretiker geduldet werden sollen? - finden wir bei Thomas von Aquin in seiner Summe der Theologie Teil II-2 Quaestion 11 Artikel 3. Ein kurzer Abriss ohne den Anspruch einer Übersetzung, sondern mehr den einer Zusammenfassung: