Posts mit dem Label Weltliteratur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Weltliteratur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 21. November 2016

Zum faustischen Geiste

Faust erwacht im zweiten Teil des Dramas frisch gestärkt in der anmutigen Gegend, nachdem er das Kind (Ist über vierzehn Jahr doch alt!) mit derselben Hybris ins Verderben gestürzt hat, deretwegen ihn der Erdgeist weiland verstieß. Der Geist, den er begreift, wird indes im Prolog vom Herrn höchstselbst benannt: 

Der reizt und wirkt und muss als Teufel schaffen.

Er ist es auch, der in der Hexenküche mit oben zitiertem Spott auf die Verknüpfung von Wort und Denken blickt, nachdem er bereits dem jungen Schüler in der Sprechstunde zugesetzt hat:

Denn eben, wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein. 

Am Ende will der faustische Geist gar nicht denken, er will überhaupt nicht erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Und so stirbt er im hohen Alter erblindet und mit Zufriedenheit, die er aus seiner Imagination schöpft, weil er die Lemuren-Totengräber für seine getreuen Arbeiter hält. Goethe präsentiert damit den umfassend gebildeten Renaissancemenschen nach seiner (Goethens) Façon. Ein geflügeltes Wort ließ die Soldaten "mit dem Faust im Tornister" in den ersten Weltkrieg ziehen, Oswald Spengler sprach von der "faustischen Kultur" im Herrenvolk, und Thomas Mann sah in der dramatischen Dynamik eine Entsprechung zur Verwicklung von deutschem Volk und Nationalsozialismus. 

Welchem Geist gleichen die Adepten dieser Diskussion, welchen Geist begreifen sie?

Mittwoch, 4. Februar 2015

Heinrich Heine und die Einheit des Intellekts

Heinrich Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland:
"Nach ihrer [= der Spiritualisten] Weltanschauung ist die Materie an und für sich böse, was doch wahrlich eine Verleumdung ist, eine entsetzliche Gotteslästerung."

Aus der katholischen Tradition heraus kann ich dem vollen Herzens zustimmen. Insofern die "Spiritualisten", auf die sich Heine bezieht, lehren, dass "die Materie an und für sich böse" sei, handelt es sich dabei um eine "Verleumdung", ja "Gotteslästerung": Schließlich wurde Adam dem Bericht der Genesis zufolge zu Beginn der Menschheitsgeschichte aus Erde vom Ackerboden geformt (Gen 2,7); und der logos, das heißt: Gott (Joh 1,1), ist zum Höhepunkt der Menschheitsgeschichte Fleisch geworden (Joh 1,14). Am Ende der Geschichte steht, last not least, die Erneuerung von Himmel und Erde (Offb 21). Wir sehen also: In allen drei Akten der Theo-Dramatik spielt die Materie eine wesentliche Rolle im Heilswillen Gottes. Die Liebe zur Materie ist damit nicht nur im offenbarten Willen Gottes verankert, sondern sie muss folglich auch in authentischer Theo-Logik reflektiert und gefunden werden. Ein sehr katholischer Standpunkt, wie ich meine, denn es sind ja gerade die Katholiken, die für ihre eucharistische Anbetung und den Glauben an die Realpräsenz (d.h. Gott sei ganz real in der materiellen Eucharistie gegenwärtig) Schimpf und Schelte erhalten.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Re: Lessings "Nathan der Weise"

Ich halte den Bezug auf die Ringparabel für äußerst problematisch: Wenn alle drei Religionen gleich wahr sein sollen, dann kann das - vernünftig gesehen - nur dann der Fall sein, wenn sie alle drei un-wahr sind. Nur in diesem Fall können die drei "Ringe" nicht voneinander unterschieden werden. Dass sich dieser Gedanke auch bei Lessing finden lässt, zeigt sich in zwei Dingen: Einmal darin, dass der Vater jedem der drei Söhne dasselbe über die Echtheit des jeweiligen Ringes sagt und damit als Lügner dargestellt wird. Zum anderen auch das Urteil des Richters: Jeder soll so tun, als habe er den echten Ring, denn der Vater habe alle drei gleich geliebt. Wenn er sie wirklich alle gleich geliebt hat, dann hat er alle drei angelogen - denn einem die Wahrheit zu erzählen, würde diesen ja bevorzugen.