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Samstag, 28. Oktober 2023

Tierschutz und Lebensschutz

Fotografie einer toten Wespe, die auf einem hellen Untergrund liegt

Bisweilen treibt der Diskurs auf den "sozialen" Medien nicht nur besondere Blüten, sondern es finden sich auch inhaltlich interessante Auseinandersetzungen. Eine dieser Auseinandersetzungen betrifft ethisch-moralische Fragen, und hierbei werden speziell Lebensschützerinnen ganz gerne mit dem Anspruch konfrontiert, auch das Leben von Tieren umfassend zu bewahren. Dieser Anspruch wird zumeist nicht allgemein gestellt, sondern inhaltlich spezifisch zugeschnitten auf den Lebensschutz. Dies wirft die Frage nach dem Verhältnis beider zueinander auf.

Darum muss gefragt werden: Besteht denn eine Verknüpfung zwischen Tierschutz und Lebensschutz, insofern letzteres das erstere voraussetzen oder beinhalten muss? Muss man notwendig vegan sein, um "pro life" sein zu können?
Oder auf die Spitze getrieben: Darf man keine "Pringles" essen, wenn man die vorsätzliche Tötung ganz junger Menschen ablehnt?

Der Argumentationsgang, den Befürworterinnen einer auf diese Art begriffenen Verbindung vorbringen, lautet wie folgt:

"Pro life" ist für Leben; es muss insofern hinsichtlich der Nahrungsaufnahme Gewalt, Elend und Tod vermieden werden, als es andernfalls "pro death" wäre.
Die offensichtliche Option "pro life" ist es darum, vegan zu sein, denn Veganismus ist für Leben.

Nun ist Süßmolkenpulver, das für manche Lebensmittel wie bspw. "Pringles" verwendet wird, nicht vegan. Wer also gegen Abtreibung ist, darf deshalb keine "Pringles" essen.

So beherzt diese Argumentation auch in verschiedenen Formen vorgetragen werden mag - der Haken liegt in der Bedeutung der Formel "für Leben". Oder genauer: Der Haken liegt daran, dass weder Veganismus noch "pro life" undifferenziert "für Leben" sind.

Samstag, 30. Juli 2022

Lebensschutz: Abtreibung

Zum Herz-Jesu-Fest am Freitag, den 24. Juni 2022 gab es zwei politische Erdbeben, die gegensätzlicher nicht hätten sein können: Zunächst legte Deutschland vor, und zwar mit der Abschaffung des Paragraphen 219a StGB durch die seit Dezember 2021 regierende Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP, womit fürderhin Werbung für Abtreibung erlaubt sein wird. Etwas später am selben Tag zog dann der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten von Amerika (SCOTUS) nach, indem er die beiden Urteile Roe v. Wade und Planned Parenthood v. Casey kippte, welche 1973 bzw. 1992 ein Recht auf Abtreibung aus der US-Verfassung abgeleitet hatten. Die Kompetenz zur Gesetzgebung über Abtreibung fällt damit von der Bundesebene an die Staaten.

Parteipolitische Kritik hierzu war an diesem Tag schnell bei der Hand: Die Ampel-Regierung habe den Turbo gezündet, um Werbung für Abtreibung zu ermöglichen, es aber nicht fertiggebracht, eine allgemeine Impfpflicht zur Bekämpfung einer globalen Pandemie mit (Stand Juni 2022) über 140.000 Toten alleine in Deutschland durchzusetzen. Die links-gelbe Fortschrittskoalition strebe darum gar nicht danach, die Situation der Menschen zu verbessern, sondern habe ganz andere Interessen. SCOTUS wiederum sei gekapert worden von der Partei der Republikaner, deren letzter Präsident alleine drei der aktuell neun Richter ernannt und damit die aktuellen Mehrheitsverhältnisse in dieser Institution überhaupt erst geschaffen hat. Die Ernennungen seien wiederum aufgrund von politischen Interessen erfolgt, die gar nicht auf den Schutz von Menschen zielen, sondern rein auf die Ausübung von Macht und Kontrolle, um sich so den Staat insgesamt zur Beute zu machen; daher sei der Gerichtshof ab sofort illegitim.

Eine Diskussion um diese Vorwürfe kann man freilich führen. An dieser Stelle habe ich jedoch kein Interesse daran, und es scheint mir auch allgemein besser, man nähme in diesen Auseinandersetzungen vom Partisanentum Abstand. Das verbindende Thema zwischen den beiden Sachverhalten ist viel zu ernst, um in partei-politischem Gerangel ausgetragen zu werden. Es bedarf viel mehr einer sorgfältigen Differenzierung, die einerseits Bezug zu konkreten Traditionen nimmt, sich aber andererseits nicht einer einzigen Gruppe unhinterfragt ergibt. Um eine solche Differenzierung soll es jetzt gehen: sine ira et studio, beginnend im vor-politischen Raum.

Ganz grundlegend müssen dazu beim Thema "Abtreibung" drei Aspekte voneinander unterschieden werden: Ein ethisch-philosophischer Aspekt, ein politisch-juristischer Aspekt, sowie ein gesellschaftlich-kultureller Aspekt.

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Individuelle und spezifische Personen

Teil 1 - Politik: Ein ästhetisch-technisches Kontinuum
Teil 2 - Der Mensch als Träger von Mitteln: Normen
Teil 3 - Der Mensch als Träger von Zwecken: Werte
Teil 4 - Der Mensch als Träger von Zielen: Grundwerte
Teil 5 - Der Mensch als Träger von Gründen: Prinzipien

Es muss noch eine bestimmte Sache angesprochen werden, um das Prinzip der Personalität, das menschliche Dasein als Person, nicht nur adäquat auszusagen, sondern auch einigermaßen verstehen zu können. In den vorangegangenen Beiträgen ist viel gesprochen worden von Unterscheidung, vor allem zwischen Immanenz und Transzendenz, aber auch zwischen intrinsischer Verfasstheit und extrinsischer Perspektive, zwischen Wollen und Sollen, zwischen Theorie und Praxis etc. Unter diesem Lichte muss noch eine letzte Sache, eine letzte Unterscheidung erklärt werden. 

In Bezug auf Normen, Werte und Grundwerte sind gewisse Unterscheidungen oder viel mehr Bestimmungen eingeführt worden: Es war von einzelnen Normen die Rede, von spezifischen Wertvorstellungen und von generischen Ideologien. Das hatte einerseits ganz allgemein den Zweck, Unterscheidungen und Bestimmungen zu treffen, ohne immer dasselbe Wort dafür verwenden zu müssen. Doch in einem engeren Sinne meinen diese Bestimmungswörter nicht dasselbe, sondern sie beziehen sich auf Unterschiedliches - und darum soll es jetzt gehen.

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Der Mensch als Träger von Gründen: Prinzipien


Teil 1 -
 Politik: Ein ästhetisch-technisches Kontinuum
Teil 2 - Der Mensch als Träger von Mitteln: Normen
Teil 3 - Der Mensch als Träger von Zwecken: Werte
Teil 4 - Der Mensch als Träger von Zielen: Grundwerte

Nachdem das Dasein des Politischen mit Blick auf die Normen und Werte wie auch das Werden des Politischen mit Blick auf die Ziele besprochen sind, bleibt schließlich noch der Blick auf die Gründe, die auch Prinzipien genannt werden können. Und auch hier muss gleich zu Beginn eine Begriffsklärung erfolgen, denn wenn es um den Ausdruck "Prinzipien" geht, gibt es allzu häufig Missverständnisse, was damit genau gemeint sein soll.

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Der Mensch als Träger von Zielen: Grundwerte


Teil 1 -
 Politik: Ein ästhetisch-technisches Kontinuum
Teil 2 - Der Mensch als Träger von Mitteln: Normen
Teil 3 - Der Mensch als Träger von Zwecken: Werte


Bislang hat sich der Blick auf Normen und Werte im Bereich von Strukturmerkmalen aufgehalten, soll heißen: Es ging vorrangig um Sein und Sollen in, mit und aus der Perspektive der zwischenmenschlichen Gemeinschaft. Zugleich kommen gemeinschaftliche Werte nicht von einem leeren Raum einfach so ins Dasein, sondern sie bedürfen ihrerseits wiederum einer Begründung oder Grundlage: Auch wenn die Gemeinschaft, in der ein Mensch sich befindet, als Träger von Werten fungieren kann, so fußen diese Werte doch darauf, dass der Mensch sich in Gemeinschaft befindet. Dies führt folgerichtig zum Grund der Werte, oder eben: zu den Grundwerten.

Donnerstag, 30. September 2021

Der Mensch als Träger von Zwecken: Werte


Teil 1 -
 Politik: Ein ästhetisch-technisches Kontinuum
Teil 2 - Der Mensch als Träger von Mitteln: Normen

Insofern der einzelne Mensch sich in Gemeinschaft befindet, so begegnen ihm dort wie gesehen zunächst die Mittel, durch die die Gemeinschaft sich verwirklicht; sie setzen gewissermaßen das Sein des Gemeinschaftlichen. Insofern der einzelne Mensch sich in Gemeinschaft befindet, begegnen ihm jedoch auch immer schon die Zwecke, die zu jenen Mitteln gehören und ihnen Bedeutung verleihen; sie geben dem Gesetzten einen spezifischen Grund und fungieren so als Grund-Sätze, die ein Sollen bezeichnen.

Donnerstag, 23. September 2021

Der Mensch als Träger von Mitteln: Normen

Teil 1 - Politik: Ein ästhetisch-technisches Kontinuum

Insofern der Einzelmensch in Gemeinschaft steht, begegnet ihm diese Gemeinschaft zu allererst über die Mittel, durch die sie sich vollzieht: der Stoff, aus dem ein konkreter gemeinschaftlicher Zustand besteht. Dies lässt sich unter dem Begriff der Normen zusammenfassen. Normen sind sozusagen das Kommunikationsmittel schlechthin, jenes Medium, über das sich gemeinschaftliche Äußerungen vollziehen, womit die Normen auch am nächsten zur Kultur als Verarbeitung der Kontingenzerfahrung vermittels Herstellung von Artefakten stehen: Normen sind Artefakte, und sie bestimmen als solches positiv, also aus ihrem Inhalt heraus, den Normal-Fall eines bestimmten Zustandes.

Donnerstag, 16. September 2021

Politik: Ein ästhetisch-technisches Kontinuum

Ähnlich dem Historiker hat es der Politologe gerade gegenüber dem Alltagsverständnis schwer, seinen Forschungsgegenstand adäquat zu benennen und seine Tätigkeit entsprechend zu verteidigen - auch Philosophen und Theologen kennen dergleichen wohl zur Genüge: Schließlich hat jeder auf irgendeine Weise schon einmal irgendwie Erfahrungen mit Geschichte, Philosophie, Religion oder Politik gemacht. Diese mehr oder minder diffusen und intuitiven Erfahrungen wirken in der Regel als Regulativ, wenn es darum geht, darüber zu sprechen.

Wirkliches Verstehen, und dabei ist noch nicht einmal von wissenschaftlichem Verstehen die Rede, begnügt sich jedoch nicht mit bloßen Erfahrungen, sondern reflektiert auf diese Erfahrungen, betrachtet sie formal und materiell, von innen und von außen, in sich und im Kontext. Dafür ist es notwendig, zunächst einmal einen Begriff derjenigen Sache zu haben, mit der man sich in Erfahrung wähnt, denn ohne einen Begriff lässt sich eine Sache nicht begreifen. Vor diesem Hintergrund scheint es wichtig, Begriffe einigermaßen klar zu umreißen und voneinander zu differenzieren, auch wenn man natürlich festhalten muss, dass es so etwas wie eine echte Objektsprache gar nicht gibt: Sprachlich bezeichnete Dinge können letzten Endes immer nur relativ zueinander voneinander beschrieben, unterschieden und getrennt werden. 

Mittwoch, 1. September 2021

Wann beginnt menschliches Leben?

In der Frage nach dem Beginn des menschlichen Lebens - bisweilen auch "Hominisation", "Anthropogenese" oder "Menschwerdung" genannt - lassen sich im Groben zwei Betrachtungsweisen voneinander unterscheiden, auch wenn so eine Unterscheidung aus paläo- wie kulturanthropologischer Sicht mit guten Gründen kritisiert werden kann.

Zum einen steht der anatomisch moderne Mensch: Stammesgeschichtlich existierte der letzte gemeinsame Vorfahre zwischen der Entwicklungslinie, die zur einzig rezenten Art innerhalb der Familie der hominini (homo sapiens) führte, und der Entwicklungslinie, die zu rezenten Schimpansen und Bonobos führte, vor etwa 6 bis 7 Millionen Jahren. Der älteste fossile Beleg für die Species homo sapiens ist wiederum etwa 300.000 Jahre alt. 

Zum anderen steht der soziokulturell moderne Mensch: Ur- und frühgeschichtlich kann der Beginn der "Altsteinzeit" (Paläolithikum; ein Name, der letztlich mehr über das Erkenntnispotenzial der entsprechenden Wissenschaften verrät denn über die Zeit selbst) vor etwa zweieinhalb Millionen Jahren angesetzt werden; hier beginnt innerhalb derjenigen Entwicklungslinie, die zur rezenten Species homo sapiens führte, die Herstellung einfacher Werkzeuge aus Stein (in Kontrast zur bloßen Nutzung bestimmter Gegenstände als Werkzeuge). Das Jungpaläolithikum wird vor etwa 40.000 Jahren zeitgleich mit der Einwanderung des homo sapiens nach Europa angesetzt; um diese Zeit herum lässt sich in dieser Species erstmals Kunst in einem modernen Sinne nachweisen, insofern Höhlenmalereien und kleinere Artefakte erhalten sind. In ganz groben Strichen lässt sich schließlich zeitgleich mit dem Beginn des Holozän nach der letzten Kaltzeit vor etwa 12.000 Jahren auch (z.B. im Rahmen der Vorderasiatischen Archäologie) der Anfang einer menschlichen Kulturgeschichte im engeren Sinne ansetzen, die ein nach modernen Maßstäben "geschichtliches" Sozialverhalten kennt.

Soll also heißen: Innerhalb dieses Zeitraums - von vor etwa 6 bis 7 Millionen Jahren bis vor etwa 12.000 Jahren - beginnt irgendwann das menschliche Leben. Eine konkrete Antwort auf diese Frage ist natürlich immer auch abhängig davon, welche Gattungen und Arten aus der biologischen Familie der hominini die Fragestellerin unter dem weltanschaulichen Begriff "Mensch" subsumieren möchte und welche Kriterien zur Einhegung des Begriffs "Mensch" (Anatomie oder Sozialverhalten, Technik oder Kunst, etc.) verwendet werden sollen. 

Allerdings beschreibt eine paläo- und kultur-anthropologische Perspektive ja nicht alles; und meist ist die Frage nach dem Beginn des menschlichen Lebens auch ganz anders gemeint: Fast immer geht es den Fragestellerinnen nämlich um die Frage, wann ein Mensch als Individuum existenziell ins Dasein tritt. 

Donnerstag, 28. Januar 2021

Postmoderne Pirouetten: Intuitiv quergedacht

Wenn ich den Rückgriff auf die Intuition (oder auch auf Autoritäten) kritisiere, dann ist der Gegenstand meiner Kritik nicht, dass überhaupt oder grundsätzlich darauf zurückgegriffen wird. Im Gegenteil: Intuition ist (genau so wie der Verweis auf Autoritäten) bisweilen ein notwendiger Wegpunkt im intellektuellen Prozess und Diskurs, insofern sie bspw. einen sinnvollen Ausgangspunkt für das Denken bilden kann. Mit Friedrich Schleiermacher kann man hier z.B. den "divinatorischen Akt" nennen: also unsere Intuition, dass sich in der Welt, der wir begegnen, eine ganz andere personale Realität äußert, was letztlich den Einstiegspunkt in den hermeneutischen Zirkel markiert.

Was ich hingegen kritisiere ist, dass die beschriebenen Platoniker und Pythagoreer bei Intuitionen (und Autoritäten) stehen bleiben, dass der Diskurs sich also auf Intuition (und Autorität) reduziert. Das sieht man z.B. sehr schön, wenn bisweilen Hausärzte gegen Immunologen oder Epidemiologen gegen Ökonomen oder Soziologen gegen Psychologen etc. wie Pokémons gegeneinander in die Arena geworfen werden, um den Kampf auszutragen, ohne dass es dann wirklich darum ginge, was dieses oder jenes Pokémon denn eigentlich von sich gibt, weil es ja ausreicht, dass sie die je eigene Ansicht desjenigen vertreten, der sie in die Arena wirft.

Samstag, 16. Januar 2021

Postmoderne Pirouetten: Der intuitive Barabbas-Kult

An dieser Stelle sollte eigentlich ein Ausblick zum sozialen Frieden bzgl. der Pandemie in Deutschland kommen. Jüngste Ereignisse haben allerdings konkretes Anschauungsmaterial aus den USA geliefert, wo es im Zuge des faschistischen Putschversuchs - Referenz ist hier Italien im Oktober 1922 - um die selben Momenta und Dynamiken geht:


Sonntag, 29. November 2020

Postmoderne Pirouetten: Pythagoreer und Platoniker während der Pandemie

Die historischen Anhänger des Pythagoras gründeten ihre (letzten Endes esoterische) Weltanschauung auf ein ontologisches Prinzip, das gerne als "die Welt ist Zahl" oder "alles ist Zahl" wiedergegeben wird. Der große Wurf des Pythagoreismus als philosophischer Ansatz besteht darin, die sichtbare Welt als Verhältnis von Zahlen darlegen zu wollen. Wichtig dabei allerdings: Es geht immer und ausschließlich um das Verhältnis der richtigen Zahlen, und das meint schlichtweg positive ganzzahlige Verhältnisse. Die Menge der natürlichen Zahlen steht am intuitiven Anfang einer jeden wie auch immer gearteten Mathematik (Arithmetik, Geometrie, Algebra, Astronomie, Harmonik, ...), und sie beschreibt die Menge der positiven ganzen Zahlen. Nicht-ganzzahlige Werte wurden pythagoreisch gedacht traditionell nur eingeschränkt akzeptiert, und bis heute hat sich dieser Zug in der Mathematik als die Menge der rationalen Zahlen gehalten: Deren Symbol ist ein Q, und das steht für Quotient, d.h. Bruchzahl. Rationale Zahlen sind solche Zahlen, die als Bruch zweier ganzer Zahlen beschrieben werden können. Besonders problematisch aus pythagoreischer Perspektive sind die sog. irrationalen Zahlen, also "reelle" Zahlen (das sind alle Zahlen, die auf einem Zahlenstrahl markiert werden können), die sich nicht als ganzzahliger Quotient darstellen lassen: Am berühmtesten sind hierbei die "Kreiszahl" Pi (Verhältnis von Umfang und Durchmesser eines Kreises) sowie die Wurzel von 2 (Diagonale eines Quadrats mit der Kantenlänge 1); beide waren bereits den historischen Pythagoreern bekannt und wurden von diesen mehr oder minder radikal abgelehnt. Anders formuliert: Aus pythagoreischer Perspektive ist die Menge der irrationalen Zahlen unverhältnismäßig.

Samstag, 23. Mai 2020

The Epicurean paradox

David Hume:
Epicurus’s old questions are yet unanswered. Is he willing to prevent evil, but not able? then is he impotent. Is he able, but not willing? then is he malevolent. Is he both able and willing? whence then is evil? 

Discuss.

Freitag, 7. Februar 2020

Necessary clarifications

Being gay can't be considered a sin, simply because it's not even clear what "being gay" means in the first place. Does it refer to a specific biological inclination? Does it mean a particular psychological experience? Is it meant to signify a concrete sociological action? All of the above? Nothing of the above, but something else? Unless this isn't clarified, saying that "being gay is a sin" is nothing but a rallying cry appealing to identity politcs. It's that simple.

Donnerstag, 9. Januar 2020

Re: Buddhism

 Buddhism isn't just a "philosophical way of life":

  • According to the South Asian tradition, it is a nastika ("non-orthodox", i.e. not accepting the Veda as authoritative) darshana (vision of the divine, glimpse of the numinous).
  • According to the East Asian tradition, it is part of the sanjiao (three teachings), an aggregation of belief systems undergirding the stability of the Chinese empire and by extension the whole world.

Samstag, 22. Juni 2019

Gott und Person-Sein

"Gott" ist in der Religionsgeschichte üblicherweise eine Chiffre für etwas Unverfügbares; für etwas höchst Erhabenes; für etwas Absolutes, das losgelöst besteht von den natürlichen Zusammenhängen, denen der Mensch unterworfen ist; für etwas "Über-natürliches" (wobei es da gewaltige, geradezu himmelweite Unterschiede gibt); oder für einen bzw. mehrere über-mächtige Akteure. Das kann im poly- und henotheistischen Kontext eine Art von Über-Mensch sein, im Pan(en)theismus umfasst es die Gesamtheit der Natur und ggf. noch ein bisschen mehr, und in der philosophischen Tradition handelt es sich um Fixpunkte, Absoluta oder letzte Notwendigkeiten im Denken.

Samstag, 16. Februar 2019

Der Künstler: Öffentliche Persönlichkeit und private Person

Im Prinzip kommt der Künstler als Privatperson erst nach der Vermittlung über ein dreiseitiges Prisma bei mir an. Zum einen, und ganz grundlegend, halte ich Kunst nicht nur für den rein subjektiven Ausdruck des jeweiligen Künstlers, sondern gestehe ihr gewissermaßen auch eine "objektive" (Bedeutungs-)Ebene zu. Durch diese Eigenständigkeit der Kunst gegenüber dem Künstler kann ich, zweitens, ein spezifisches Kunstwerk auch erstmal als solches aufnehmen und diesbezüglich ein ästhetisches Urteil fällen. Drittens verhält es sich dann speziell bei mir auch eher so, dass ich in der Regel wenig bis gar nicht am Privatleben des jeweiligen Künstlers interessiert bin (natürliche Ausnahme: Künstler, die ich persönlich kenne).

Montag, 3. September 2018

Nachtgedanken: Marxismus

Karl Marx' Begriffswelt basiert weniger auf historischen und sozialwissenschaftlichen Analysen - viel mehr basieren bestimmte historische und sozialwissenschaftliche Analysen auf Marx' Begriffen; es verhält sich also eher umgekehrt. Auf der anderen Seite bedient sich Hitler in "Mein Kampf" munter aus dem Begriffsbaukasten der historischen und Naturwissenschaften seiner Zeit, freilich ohne deren analytische Dimension adäquat zu berücksichtigen.

Marx als "Basisdemokraten" zu begreifen, idealisiert zudem ein wenig zu sehr, denn diese Zuschreibung gehört dann doch eher zum per se staatsfeindlichen Kommunismus der Anarchisten um Bakunin. Marx steht - gerade insofern die Revolution nicht durch individuelles Streben einzelner (Sozial-)Revolutionäre erreicht werden soll, sondern sich aus den Notwendigkeiten der sozio-ökonomischen Entwicklung selbst ergeben muss - auf Seiten des Etatismus, denn aus den genannten Notwendigkeiten entspringt schließlich die Umformung, die Transformation des bürgerlichen Staates, die der marxschen Logik nach schließlich im Absterben der bourgeoisen Klassenherrschaft münde. Dem gegenüber setzt der Anarchismus auf die aprupte Abschaffung des Überkommenen, statt Umformung des Bestehenden auf Neugründung des Gemeinwesens.

Montag, 4. Juni 2018

Kritik des Egozentrismus

Das Gefühl von Sicherheit und wirklich vorhandene Sicherheit sind am Ende zwei Paar Schuhe. Natürlich wird sich jemand, der dogmatische und hierarchische Strukturen braucht, in dogmatischen und hierarchischen Strukturen sicher fühlen - das ist ja quasi tautologisch vorgegeben. Andererseits fühlt sich natürlich der Egozentriker, der am liebsten alles und jeden andere(n) durch die eigene Souveränität (fremd-)bestimmt und regiert, durch so eine Struktur zutiefst verunsichert, da sie die eigene Souveränität naturgemäß herausfordert und dem Ego Grenzen setzt: Egozentrismus ist am Ende sehr viel bequemer als das Arrangement mit anderen Egos, das notwendig über Strukturen verläuft. Denn wo nur das eigene Ego bestimmend ist, da bedarf es keines vernünftigen Austausches, sondern es reicht recht eigentlich bloß die eigene Befindlichkeit - eben das eigene Gefühl - aus, um darauf eine sichere Welt zu bauen.