Mittwoch, 9. April 2014

Stichwort "Sterbehilfe"

Menschliches Leben ist schützenswert, weil es durch die personale Würde geadelt ist. Daher ist die Entscheidung über Leben und Tod dem menschlichen Ermessen entzogen.

Wer ein Recht auf den Tod verficht - und damit für die sog. "Sterbehilfe" eintritt -, der entzieht dem menschlichen Leben auf die eine oder andere Weise jene personale Würde. Anders kann das Leben nicht verfügbar werden.

Dienstag, 8. April 2014

Ungarn? Ungern.

Warum der ungarischen Regierung mit tiefem Misstrauen begegnet werden sollte:

Die Rückkehr zur Stephanskrone.-- Dieser Bezug ist Ausdruck einer magyarischen Herrenvolkideologie, die bereits im späten Habsburgerreich virulent war (der Habsburger wurde entthront und durch einen "Reichsverweser" ersetzt) und das ungarische Volk nicht nur als Einheit unter der Krone sah/sieht, sondern auch über den anderen Völkern (des alten Habsburgerverbands). Es handelt sich hierbei um einen Traditionalismus, ergo Modernismus. Besonders interessant: Die Krone ist päpstliche Stiftung (daher der Titel "Apostolischer König", den der Ungar tragen durfte), Ungarn als Land deshalb päpstliches Beneficium. Die Krone ist kein Ausdruck von Volkssouveränität und kann folglich auch nicht vom Volk (oder einer vom Volk gewählten ungarischen Regierung) für sich reklamiert werden.

Die Definition der Ehe als Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau in der neuen Verfassung.-- Der Staat hat kein Recht und keine Kompetenz zu sagen, was die Ehe ist und was nicht. Das ist Aufgabe der Kirche als Verwalterin der Sakramente. Der Staat kann lediglich geschlossene Ehen anerkennen sowie privatrechtliche Verträge sanktionieren, die eheähnliche Gütergemeinschaften konstituieren. Diese Übernahme kirchlicher Kompetenz durch den Staat ist ein Modernismus, der sich - in diesem konkreten Fall - als Traditionalismus präsentiert.

Die Zweidrittelmehrheit im Parlament.-- Alleine schon diese gewaltige demokratische Mehrheit muss massive Skepsis hervorrufen (bei Papst Franziskus reicht ja weitaus weniger Zuspruch für weitaus mehr Missfallen; und Angela Merkel hat die absolute Mehrheit nur knapp verpasst ohne dass ihre Politik dadurch Begeisterungsstürme auslösen würde) - da muss ein Haken sein, das kann nicht kosher sein, wenn fast alle es gut finden. Es muss gefragt werden: Warum kann Orban die tumbe Masse für sich begeistern? Und warum sollte gerade das ungarische Volk so vertrauenswürdig in seinem Votum sein? Gerade bei letzterer Frage besteht schließlich die Gefahr, in eine völkische Argumentation zu schlittern und sich der schon erwähnten magyarischen Herrenvolkideologie anzuschließen, demnach die Ungarn halt wissen, was das beste für alle ist. Wo hier gegenüber der demokratischen Mehrheit die Skepsis beiseitegeschoben wird, folgt man ganz offen dem Modernismus des Demokratismus.

Politische Ethik ist kein quid pro quo, kein Kuhhandel: Nur weil ein Akteur einem möglichen eigenen Modernismus nahekommt, rechtfertigt das keinen anderen Modernismus. Das ist letztlich dieselbe Masche, die den (vermeintlichen) Konservatismus gegenüber dem Nationalsozialismus geöffnet hat. Das Mutterkreuz rechtfertigt jedoch nicht das Hakenkreuz, ebensowenig wie Obamas Politik Begeisterung verdient hat, weil er Osama zur Strecke gebracht hat.

Montag, 31. März 2014

Kulturfaschismus ist Häresie

"Natur und Geschichte sind die weitesten Begriffe, unter denen der menschliche Geist die Welt der Erscheinungen begreift."[1] Mit dieser Feststellung leitete Johann Gustav Droysen, ein Gründervater der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung, in der Mitte des 19. Jahrhunderts seine Vorlesung über die Methodik seiner Disziplin ein. Natur und Geschichte - es sind dies zwei Begriffe, die bis zum heutigen Tage ein Paar bilden, wenngleich in etwas anderer Nuancierung als zu den Zeiten des preußischen Historikers: Waren beide Begriffe für Droysen dadurch verbunden, dass die Natur das Nebeneinander des Seienden, die Geschichte das Nacheinander des Gewordenen umfasse, so liegt der Fokus in der heutigen Zeit eher auf dem Gegensatz, der durch das Begriffspaar Natur-Kultur ausgedrückt wird: Die Natur umfasse all das, was nicht vom Menschen stammt, während die Kultur jene Sphäre der Erscheinungen darstellt, die der Mensch hervorgebracht hat, hervorbringt und hervorbringen wird. Auch dies findet sich bei Droysen - und mit ihm auch bei allen nachfolgenden Denkern, die eine Differenzierung zwischen Naturwissenschaften einerseits und Geistes-, Sozial- oder Kulturwissenschaften andererseits vollziehen.

Montag, 9. September 2013

Was bedeutet "christlich-demokratisch"?

 - Versuch einer Wesensbestimmung -

Omnis definitio negatio est - Jede Definition (wörtlich: Ausgrenzung) ist Verneinung. In diesem Sinne sollen zunächst zwei Missverständnisse ausgeräumt werden, um darzustellen, was "christlich-demokratisch" nicht bedeutet.

  • "Christlich-demokratisch" bedeutet nicht "demokratisches Christentum". Es geht nicht darum, theologische, religiöse oder Glaubensangelegenheiten dem politischen Entscheid zu unterwerfen. 
  • "Christlich-demokratisch" bedeutet weiters nicht "Klerikalismus". Es geht nicht darum, politische Angelegenheiten unter den Vorbehalt religiöser Institutionen zu setzen.

"Christlich-demokratisch" heißt:

(a) den allgemeinen und freien Entscheid als geeignetstes Mittel im politischen Prozess anzusehen, um die Verantwortung der beteiligten Menschen in den Diskurs zu überführen, und

(b) sowohl dieses Mittel als auch den politischen Prozess selbst als auch die Verantwortung der beteiligten Menschen aus einem Menschenbild abzuleiten, das die Würde und das Ansehen als Person unverrückbar anerkennt.

Es bedeutet also, das demokratische Gemeinwesen von einem im weitesten Sinne christlichen Hintergrund aus zu begründen, zu begreifen und zu gestalten.

Montag, 26. August 2013

Weltbilder natürlich erklärt

Den heliozentrischen Kosmos zum Proto-Atheismus zu stilisieren ist nichts als fromme Legende. Auch im Heliozentrismus bewegen sich die Körper (zunächst) nicht selbst, sondern die Sphären; die Differenz zum Geozentrismus besteht lediglich in der Anordnung der Sphären. Erst mit der Einführung des Äthers bewegen sich dann die Körper selbst.

Aber die heliozentrische Wende lässt sich ja durchaus auch sozialgeschichtlich erklären:

Dienstag, 13. August 2013

Die Gotteshypothese

Nach einigem Überlegen kann und muss ich sagen: Auch ich verwerfe die Gotteshypothese. 

Bitte sacken lassen.

Es gibt da einen schönen Cartoon, der sich wunderbar als Aufhänger für eine Begründung eignet; ich vermute mal, er ist hinlänglich bekannt.

Sonntag, 11. August 2013

Moral ist ein menschengemachtes Konzept

Moral ist ein Produkt des Essens der Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Der Mensch hat sich diese Frucht genommen, um seine eigenwilligen Ziele zu verfolgen, und wurde deswegen aus dem Paradies vertrieben.
Vor dem Essen der Frucht lebte der Mensch nicht in Unkenntnis, denn er wusste, dass das Essen der Frucht verboten war. Man mag durchaus stichhaltig ins Feld führen, dass der Mensch nicht wissen konnte, ob das Essen der Frucht intrinsisch gut oder böse war. Der Mensch kannte jedoch definitiv die Konsequenzen des Essens der Frucht: "sobald du davon isst, wirst du sterben" (Gen 2,17 - Anm.: Soviel zum Funktionieren konsequentialistischer Ansätze). Hätte der Mensch keinerlei Kenntnis gehabt, so hätte es für die Schlange keinerlei Notwendigkeit gegeben, den Menschen zu überreden.

Samstag, 10. August 2013

Hegel, der Gottesbeweis und die Existenzphilosophie

Vor Hegel war ein Widerspruch etwas, das einer Möglichkeit die Wirklichkeit abgesprochen hat. Die Wirklichkeit galt als in sich widerspruchsfrei, und so musste auch alles sein, das Anteil an der Wirklichkeit haben soll. So galt auch der Widerspruch als lediglich im Denken existent, nicht aber in einem Ding selbst.
Hegel nun hat den Widerspruch in das Ding selbst verlegt: Die existenzielle Unmittelbarkeit ist das Sein, in ihrer Unbestimmtheit ist sie aber gleichzeitig das Nichts. Das ist der innere Gegensatz der Wirklichkeit, und alles, was an dieser existenziellen Unmittelbarkeit Anteil hat, hat auch Anteil an diesem inneren Gegensatz. Daraus folgt: Je größer der Anteil eines Dings an diesem inneren Gegensatz, desto größer ist seine Wirklichkeit.
Ein Gott hätte nach der hegelschen Logik und Seinslehre daher umso größere Wirklichkeit, je größer sein Anteil am inneren Gegensatz zwischen Sein und Nichts ist.
Ein Gutes hätte nach der hegelschen Logik und Seinslehre folglich die größte Wirklichkeit, wenn es dem Nicht-Guten Raum lässt.
Gemäß der hegelschen Logik und Seinslehre wäre also die Theodizee ein Gottesbeweis insofern sie auf einen bestehenden Widerspruch verweist.

Der Knackpunkt: ex contradictione sequitur quodlibet - Aus dem Widerspruch folgt das Beliebige. Hier ist der Ankerpunkt der Existenzphilosophie, die absurde Welt zu behaupten. Essentiell bedeutet das: Voluntarismus als einzige Möglichkeit. Voluntarismus, das ist: Will-kür, d.h. die Wahl des Willens. Anders formuliert: "zur Freiheit verdammt." Unser einziger Weg hin zum Willen ist wiederum die Vernunft.
Was uns also als Weg aus der Welt des hegelschen Gegensatzes und der existenzialistischen Absurdität bleibt? Das "sowohl ... als auch" - das vollständige Eintreten in den Gegensatz und Inkaufnehmen der Absurdität.

Montag, 5. August 2013

Zur Transsubstantiation

"Real" in "Realpräsenz" bezieht sich nicht auf alte spanische Münzen, sondern es heißt, dass die Substanz sich nicht nur in meinem Kopf oder "spirituell" wandelt, sondern ganz dinglich und unabhängig von meiner sinnlichen Wahrnehmung. Wenn ich meine Butterbrezel mit einer Münze bezahle, dann gehe ich davon aus, objektiv Geld auf den Tresen zu legen - sub specie metalli, wie man hinzufügen sollte, schließlich umfasst der Glaube an Geld auch andere Akzidenzien, von bedrucktem Schnittpapier bis hin zu Manipulationen auf einer Magnetscheibe. Da Geld sub specie metalli erstens nicht sofort nach der Wandlung dem entsprechenden Zweck zugeführt wird und zweitens den entsprechenden Zweck mehrfach erfüllen kann - es wird ja nicht konsumiert, sondern schlicht weitergereicht -, ergibt sich freilich die Notwendigkeit, die Unterscheidung zwischen gewandeltem und nicht gewandeltem Metall etwas spezifischer zu gestalten als beim Heiligen Messopfer, mit dem ja in der Regel direkt nach der Wandlung kommuniziert wird. Für gewöhnlich geschieht dies beim Geld mittels eines Siegels der entsprechenden Instanz, damit klar ist, dass da eine glaub-würdige Stelle die Wandlung vollzogen hat.

Freitag, 12. April 2013

Der biblische Skeptiker

In seiner Predigt zur Possess der Laterankirche am 7. April 2013 kam Papst Franziskus auf den "ungläubigen" Thomas zu sprechen:

Im heutigen Evangelium macht der Apostel Thomas eigens die Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes, die ein konkretes Gesicht hat, das Gesicht Jesu, des auferstandenen Jesus. Thomas traut nicht dem, was die anderen Apostel ihm sagen: "Wir haben den Herrn gesehen"; es genügt ihm nicht die Verheißung Jesu, der angekündigt hatte: Am dritten Tag werde ich auferstehen. Er will sehen, will seine Finger in die Male der Nägel und seine Hand in Jesu Seite legen. Und was ist die Reaktion Jesu? Geduld: Jesus lässt den eigensinnigen Thomas in seiner Ungläubigkeit nicht fallen; er gibt ihm eine Woche Zeit, verschließt nicht die Tür, sondern wartet. Und Thomas erkennt seine Armseligkeit, seine Kleingläubigkeit. "Mein Herr und mein Gott": Mit diesem einfachen, doch glaubensvollen Ruf antwortet er auf die Geduld Jesu. Er lässt sich von der göttlichen Barmherzigkeit umfangen, sieht sie vor sich in den Wunden der Hände und der Füße, in der geöffneten Seite, und gewinnt das Vertrauen zurück: Er ist ein neuer Mensch, nicht mehr ungläubig, sondern gläubig.

Thomas ist also gerade kein Skeptiker, sondern er glaubt. Seine Verfehlung besteht darin, dass er seinen Brüdern im Apostelkreis nicht glaubt, denn vom Herrn selbst akzeptiert er schließlich das Zeugnis.