Das Gefühl von Sicherheit und wirklich vorhandene Sicherheit sind am Ende zwei Paar Schuhe. Natürlich wird sich jemand, der dogmatische und hierarchische Strukturen braucht, in dogmatischen und hierarchischen Strukturen sicher fühlen - das ist ja quasi tautologisch vorgegeben. Andererseits fühlt sich natürlich der Egozentriker, der am liebsten alles und jeden andere(n) durch die eigene Souveränität (fremd-)bestimmt und regiert, durch so eine Struktur zutiefst verunsichert, da sie die eigene Souveränität naturgemäß herausfordert und dem Ego Grenzen setzt: Egozentrismus ist am Ende sehr viel bequemer als das Arrangement mit anderen Egos, das notwendig über Strukturen verläuft. Denn wo nur das eigene Ego bestimmend ist, da bedarf es keines vernünftigen Austausches, sondern es reicht recht eigentlich bloß die eigene Befindlichkeit - eben das eigene Gefühl - aus, um darauf eine sichere Welt zu bauen.
HINWEIS: Dieses Weblog ist bis auf weiteres stillgelegt. Es wird nicht mehr aktualisiert und in Kürze auf www.epigonias.de umgestellt.
Montag, 4. Juni 2018
Dienstag, 8. Mai 2018
Zur ersten Ursache
Wenn eine Erklärung für etwas gefunden werden soll, das heißt: wenn eine Sache A auf eine Ur-Sache B zurückgeführt werden soll, dann stellen sich gewisse Schwierigkeiten ein:
Samstag, 21. April 2018
Fremdbestimmung und Selbstbestimmung: Kindertaufe
Dass Fremd-bestimmung vor Selbst-bestimmung stattfindet, gehört zu den ontologischen Merkmalen des Mensch-Seins. Denn noch bevor ein Mensch überhaupt das erste Mal "ich" oder "nein" sagen kann, werden bereits die grundlegenden Dinge seines Daseins von anderen bestimmt: Ob er überhaupt existiert, in welche Verhältnisse er hineingeboren wird, wie er heißt, zu welcher Familie er gehört, welches Geschlecht er hat, welchem Staat er angehört. Die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft ist ebenfalls solch ein Merkmal, und es kann positiv oder negativ bestimmt werden. Religiös unbestimmt ist kein Mensch, denn er kann auch ohne formelle Aufnahme in eine Gemeinschaft immer als Kind von atheistischen, buddhistischen, christlichen, daoistischen, esoterischen, freidenkerischen, gnostischen, hinduistischen, islamischen, jesidischen, ... you name it ... Eltern bestimmt werden. Und sofern die Eltern mit dem Kind inter-agieren, wird es auch immer durch die religiöse oder weltanschauliche Überzeugung der Eltern zumindest mit-geprägt.
Montag, 9. April 2018
Die Wissenschaftlichkeit der Theologie
Die Naturwissenschaften sind seit geraumer Zeit nicht mehr nur in der Welt des Meters, des Kilogramms und der Sekunde unterwegs, sondern sie gehen über diesen menschlichen Mesokosmos (das zwischen dem ganz Großen und dem ganz Kleinen) hinaus, nämlich hinein in den Mikrokosmos (das ganz Kleine) sowie in den Makrokosmos (das ganz Große). Wo die menschlichen Sinnesorgane zu grob (Mikrokosmos) oder zu fein (Makrokosmos) für diese Maßstäbe sind, da entzieht sich der Gegenstand der unmittelbaren menschlichen Anschauung, und es werden handwerkliche Hilfsmittel eingesetzt, um diese Sachverhalte in den menschlichen Mesokosmos zu übersetzen: So wird gewissermaßen das Unsichtbare sichtbar gemacht.
Diese Übersetzungen geschehen vermittels formal geregelter Vorgehensweise, die auf eine saubere, nachvollziehbare und folgerichtige Darstellung zielt; so können es andere Leute zu anderer Zeit an anderem Ort auch verstehen. Als Bestandteil dieser sauberen, nachvollziehbaren und folgerichtigen Darstellung werden künstliche Sachverhalte unter formal geregelten Bedingungen erzeugt, die im Idealfall von anderen Leuten zu anderer Zeit an anderem Ort wiederholt werden können. Klappt so eine Wiederholung nicht oder zeigt sich die Darstellung anderweitig nicht als nachvollziehbar oder folgerichtig, so muss nachgebessert werden.
Zum Fach "Theologie"
Dass Theologie vornehmlich bekenntnisgebunden studiert und gelehrt wird, stellt in der Tat eine - sowohl historisch als auch durchaus systematisch bedingte - Eigenart dieses Faches dar. Die Unterscheidung zwischen katholischer, protestantischer, orthodoxer oder gar jüdischer (Jüdische Studien) und islamischer (Islamwissenschaft) Theologie ist einerseits schärfer als z.B. zwischen "orthodoxer" (neo-klassische Synthese) und "heterodoxer" (Marxismus, Österreichische Schule, ...) Wirtschaftswissenschaft oder zwischen newtonscher und einsteinscher Physik, andererseits aber nicht so scharf wie z.B. zwischen Soziologie und Sozialgeschichte oder Ethnologie und Archäologie. Die Bekenntnisgebundenheit der Theologie markiert damit mehr als nur Denkschulen, aber doch weniger als separate Fächer. Im Sinne der akademischen Pluralität scheint mir so eine dritte Ebene problemlos tolerabel.
Mittwoch, 4. April 2018
"Sklaverei in der Bibel": Levitikus 25
Lev 25,44-46:
Die Sklaven und Sklavinnen, die euch gehören sollen, kauft von den Völkern, die rings um euch wohnen; von ihnen könnt ihr Sklaven und Sklavinnen erwerben. Auch von den Kindern der Halbbürger, die bei euch leben, von den Kindern, die sie in eurem Land gezeugt haben, könnt ihr Sklaven erwerben. Sie sollen euer Eigentum sein, und ihr dürft sie euren Söhnen vererben, damit diese sie als dauerndes Eigentum besitzen, ihr sollt sie als Sklaven haben. Aber was eure Brüder, die Israeliten, angeht, so soll keiner über den anderen mit Gewalt herrschen.
Ich verstehe diese Passage zunächst einmal als Auszug aus einem größeren Text, und ich frage folglich: Aus welchem Text ist diese Passage entnommen? In welchem Kontext steht diese Passage? Im Grunde ist das das normale Prozedere, um Texte aus der menschlichen Kulturgeschichte zu verstehen.
Und weil die Bibel eine Sammlung von Texten aus der menschlichen Kulturgeschichte beinhaltet, lässt sich dieses Vorgehen auch auf die Schriften der Bibel anwenden:
Sonntag, 14. Januar 2018
Theologie und Wissenschaft
Donnerstag, 11. Januar 2018
Die Grenzen der Vernunft
Der katholische Glaube spricht auch über die Grenzen der Vernunft. Hier liegt der Anknüpfungspunkt zum philosophischen Teilbereich der Erkenntnistheorie bzw. Epistemologie, die sich u.a. ebenfalls mit diesen Grenzen beschäftigt. Kirchenlehre ist dabei:
- Der Mensch kann vermittels seiner natürlichen Vernunft selbständig erkennen, dass Gott ist (Katechismus der Katholischen Kirche, Ziffer 31-35).
- Der Mensch kann vermittels seiner natürlichen Vernunft jedoch nicht selbständig erkennen, was oder wie Gott ist - hierfür bedarf es der Offenbarung (KKK 36-38).
- Das Reden von und über Gott besitzt immer schon Grenzen und kann Gott nie vollständig in der Sprache abbilden (KKK 39-43).
Freitag, 29. Dezember 2017
Theodizee
Ich sehe keinen Widerspruch zwischen a) dem Bezug zu Leuten, die sich schon vor mir Gedanken über Fragen gemacht haben, die auch ich mir stelle, und b) einem persönlichen Statement, das ich abgebe. Ich muss ja nicht zwanghaft das Rad neu erfinden - weder in der Wissenschaft noch in der Musik noch im Glauben. Und wenn mich ein fremder Gedankengang überzeugt, dann wäre es a) unsinnig, ihn abzulehnen bloß weil er nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen ist, und b) unredlich, ihn gegenüber Dritten als meine eigene Erfindung auszugeben. Ich weiß, dass man das auch anders sehen kann: Anderen zu unterstellen, sie hätten das Potenzial, einen selbst zu überzeugen, versteht sich nicht von selbst.
Was die Theodizee angeht, bin ich nun in einer Zwickmühle zwischen dem, was ich denke, und dem, was gemeinhin von mir verlangt wird: Was ich denke, steht - genau wie die übliche theologische Fragestellung - unleugbar in der Tradition der abendländischen Geistesgeschichte vom antiken Griechenland bis heute. Verlangt wird meist hingegen eine Antwort, die diesen Bezug nicht erkennen lassen darf - im Gegensatz zur Frage selbst, die mit der Bezeichnung als Theodizee natürlich einen klaren Bezug formuliert.
Versuch einer Antwort, aufgrund der Aufgabenstellung notwendig verkürzt:
Mittwoch, 27. Dezember 2017
Religion, Politik und Idiotie
Die res privatae bezeichnen historisch die privaten, persönlichen oder individuellen Reichtümer, und sie stehen in Kontrast zur res publica, d.h. dem Gemeinwesen oder Gemeinwohl. Die privaten Besitztümer unterstehen der jeweiligen Hausordnung, sind also Teil der oikonomia, während das Gemeinwesen sich in der polis verwirklicht - dort haben unsere Begriffe "Ökonomie" und "Politik" ihre Wurzeln. Radikal-Liberale und Libertäre legen auf diese historischen Ursprünge z.B. besonderen Wert, insofern sie die Marktwirtschaft als Privatrechtsordnung begreifen, welche dem öffentlichen Recht des Staates gegenübersteht, und sie entsprechend verteidigen. Insofern ist Wirtschaft im Kern die Privatsphäre, so wie Politik im Kern Öffentlichkeit bedeutet.


