Wäre Schuld etwas, das ausschließlich im schuldigen Subjekt geschieht, dann wäre das ganze Prinzip der Strafverfolgung absurd. Für einen Mord - um mal einen Extremfall als deutliches Beispiel heranzuziehen -kann man gerade deswegen belangt werden, weil eben unterstellt wird, dass Schuld in der Beziehung eines Subjekts zu seiner Mitwelt liegt (und zwar als Abweichung des Seins vom Sollen), und weil angenommen wird, dass ein Dritter sich in diese schuldhafte Beziehung stellen und Ausgleich schaffen kann (die gerichtliche Autorität). Niemand wird sich erfolgreich vor Gericht damit verteidigen können, dass er den Mord alleine mit sich selbst auszumachen habe, und dass der Staat oder die Angehörigen überhaupt kein Recht hätten, die Rolle des imaginierten Opfers oder die imaginierte Rolle des Opfers einzunehmen, da das Opfer ja schließlich tot und somit nicht mehr existent sei.
HINWEIS: Dieses Weblog ist bis auf weiteres stillgelegt. Es wird nicht mehr aktualisiert und in Kürze auf www.epigonias.de umgestellt.
Mittwoch, 3. August 2016
Donnerstag, 21. Juli 2016
Zur Anthroposophie
Rudolf Steiner und die Anthroposophie sind mir im Studium zweimal ernsthaft begegnet:
Mittwoch, 20. Juli 2016
Libertärer Ikonoklasmus: Anarchismus und Minarchismus
Es lässt sich klassifizieren:
- Wirtschaft beschreibt einen Bereich - ein Netzwerk - von zwischenmenschlichen Beziehungen; und zwar diejenigen Beziehungen, die sich an den Interessen des Einzelnen ausrichten.
- Politik beschreibt ein Netzwerk für die Interessen der Gemeinschaft.
- Gesellschaft beschreibt ein Netzwerk jenseits von Interessen.
- Recht hat eher einen rein instrumentellen Charakter als Maßstab zur normativen Gestaltung dieser Netzwerke. Es setzt diese Netzwerke also voraus und steht ihnen nicht gegenüber. "Anarchie" (Herrschaftslosigkeit) heißt nicht "Anomie" (Gesetzlosigkeit), und darum kann "Recht" auch ohne Zwang existieren.
- Staat wiederum ist das Aggregat aus Staatsvolk, Staatsregierung und Staatsgebiet; und als solches fasst er die verschiedenen Netzwerke mit je konkret ausgestalteter Rechtsordnung zusammen.
Dienstag, 17. Mai 2016
Volksparteien und zivilisatorischer Konsens
Das Fundament der großen Volksparteien CDU/CSU, SPD und FDP ist der zivilisatorische Konsens der Bundesrepublik Deutschland. Dem sind sie vom Standpunkt der Christdemokratie, der Sozialdemokratie und der Freidemokratie aus verpflichtet, insofern sie ihre Politik von der Person (Christdemokratie), vom Menschen (Sozialdemokratie) und vom Bürger (Freidemokratie) her begreifen und aufziehen.
Der Konservatismus geht nicht von der Person aus, sondern entfaltet sein Programm vom Untertanen her - das ist das Problem, mit dem sich die Christdemokratie zuvorderst auseinandersetzen muss. Der Sozialismus entfaltet sich vom Arbeiter her - damit muss sich zuvorderst die Sozialdemokratie auseinandersetzen. Die Auseinandersetzung in der Freidemokratie verläuft zwischen dem citoyen (Staatsbürger) und dem bourgeois (Wirtschaftssubjekt) - aus letzterem entfaltet sich klassischerweise der Liberalismus.
Samstag, 16. Januar 2016
Libertärer Ikonoklasmus: Die Österreichische Schule der Nationalökonomie
Man sollte wohl differenzieren zwischen Ökonomie/Wirtschaft, Markt und Kapitalismus. Es gibt Schnittmengen, zweifellos, aber man darf das nicht durcheinanderwerfen. Um eine Zielscheibe aufzustellen, die gerne beschossen werden darf:
- Ökonomie / Wirtschaft ist je nach Ansatzpunkt entweder funktional begriffen soziales Handeln unter dem Aspekt der Knappheit materieller Güter, oder essentiell begriffen die (rationale) Allokation materieller Güter - und zwar ganz unabhängig von der Frage nach der konkreten inhaltlichen Ausgestaltung (Markt oder Plan? Verkehrs- oder Zentralverwaltungswirtschaft?).
- Der Markt wiederum ist eine konkrete Ausformung des o.g. sozialen Handelns unter dem Aspekt der Knappheit materieller Güter bzw. der o.g. (rationalen) Allokation materieller Güter; namentlich eine solche Ausformung, bei der die Wirtschaftssubjekte (Akteure, Handelnden) die entsprechenden Prozesse in eigener Verantwortung bzw. Verantwortlichkeit gestalten und vollziehen. Demgegenüber stehen konkrete Ausformungen, in denen die Akteure die entsprechenden Prozesse nicht eigenverantwortlich gestalten oder vollziehen - und doch handelt es sich auch bei ihnen um Teilmengen von Wirtschaft bzw. Ökonomie.
- Kapitalismus schließlich kann beides und das Gegenteil von beidem sein. In der anglophonen Welt fast synonym zu Marktwirtschaft, versteht man den Begriff im deutschsprachigen Raum (maßgeblich geprägt durch Karl Marx und Anhang) eher im Sinne politischer Ökonomie, politischer Ideologie, Machtausübung o.ä. Am neutralsten wäre vielleicht noch ein Verständnis von Kapitalismus als Form von Wirtschaft bzw. Ökonomie, in der die Kapitaleigner (und als Kapital kann theoretisch auch die Arbeitskraft des Proletariers gelten) im Zentrum stehen.
Freitag, 15. Januar 2016
Zu Putins Russland
Putin schafft es im Gegensatz zu anderen Oligarchen, die Loyalität seines Landes auf sich zu beziehen: So hat er sich mit Jelzin gegen Jelzin emanzipiert, und als erster Mann im Staat profitiert er natürlich vom Mythos des guten Zaren, der in der Mentalität nach wie vor implizit wie explizit eine große Rolle spielt. Dies nutzt er aus, um seine eigene Macht zu stabilisieren.
Montag, 4. Januar 2016
Zum regulativen Prinzip der Vernunft
Das ipsum bonum ist das regulative Prinzip der Vernunft. Beides fällt ineinander, denn es handelt sich dabei um zwei Ausdrücke, die dasselbe meinen: Der erste kommt eher aus der scholastischen Tradition, und der zweite wird von Kant verwendet. Es ist nicht so, dass "regulatives Prinzip der Vernunft" eine allgemeine Klasse wäre, deren konkrete Instanz dann das ipsum bonum sei. Es ist auch nicht umgekehrt. Ipsum bonum und regulatives Prinzip der Vernunft sind dasselbe.
Sonntag, 3. Januar 2016
Was Gott *nicht* ist
Es mag unterschiedlichste "Ansichten über Gott" geben, doch die seriöse Theologie ist sich (gemeinsam mit der seriösen Philosophie) wundersamerweise einig über ein paar Grundlagen. In jüngerer Zeit hat dies David Bentley Hart auf superbe Art und Weise dargestellt: Die abendländische causa prima, der indische satchidananda, das islamisch-sufistische wujud / wijdan / wajd - sie teilen alle eine gemeinsame Annahme über das, was "Gott" genannt wird, und sie alle lehnen die Identifikation von "Gott" mit einem bloßen Demiurgen ab. Das spiegelt sich auch in den großen Traditionen der mittelalterlichen Gelehrsamkeit wider - drei große Namen wären hier Averroës, Maimonides und Aquinas; nicht ganz so bekannt scheinen Shankara, Eriugena, Avicenna.
Was bei ihnen mit "Gott" gemeint ist, unterscheidet sich so fundamental von dem, was Richard Dawkins, Christopher Hitchens, Daniel Dennet, Sam Harris oder Bill Maher heutzutage darunter verkaufen wollen, und zu einem Großteil auch davon, was Ken Ham, Kent Hovind oder die kreationistischen Freizeit-Apologeten auf Youtube als Gott behaupten. Hier müssten wir für eine sinnvolle Diskussion die gleiche Sprache sprechen.
Samstag, 19. Dezember 2015
Populismus und die (ost-)deutsche Identität
Einem populären Argumentationsmuster nach kommt es gar nicht so sehr drauf an, welche Interpretation nun korrekt ist oder wo man fehlinterpretiert. Manchmal sei bereits das bloße Auftreiben und Bereitstellen einer Quelle die entscheidende Leistung in der Diskussion, neben der mögliche Fehlinterpretationen verblassen (sollen). "Reichsbürger" verfahren so bspw. mit Erlassen der Alliierten, Gesetzestexten oder Urteilen des BVerfG. Wo dennoch Widerspruch kommt, da genügt gruppen-intern meist der Hinweis, dass andere - "systemtreue" - Leute die gleiche Linie fahren wie derjenige, der den Widerspruch erhebt, und schon ist (im Idealfall) der Einwand vom Tisch.
Dienstag, 8. Dezember 2015
"Orthodoxe" und "heterodoxe" Ökonomik
Es scheint in der Tat ein Problem innerhalb der Wirtschaftswissenschaften zu geben - und vieles scheint daran zu liegen, dass "der Ökonom" gerade in gesellschaftlicher Perspektive zu einem gewissen Ruf gelangt ist, den früher z.B. "der Soziologe" hatte (vor der kulturwissenschaftlichen Wende, wie man sagen muss). Namentlich den Ruf als vertrauenswürdigen Sozialingenieur, der weiß, wie die Mechanismen funktionieren. Und während die Soziologen sich zu kulturwissenschaftlichen Schöngeistern gemausert haben, scheint der Ökonom archetypisch als Betriebswirtschaftler zu existieren. Allerdings ist das ein wissenschafts-soziologisches bzw. wissenschafts-politisches Problem, und kein wissenschafts-theoretisches.

